Eine Gelegenheit die neusten Ski der kommenden Saison zu testen, die erst vor wenigen Wochen auf der ISPO vorgestellt wurden, lässt man sich natürlich nicht entgehen. Das Sporthaus Waibel in Bad Hindelang hatte am Oberjoch einen Skitest mit den Marken Fischer, K2, Stöckli und Head organisiert. Bei dieser Gelegenheit meinen Dank an das Sporthaus Waibel und die genannten Skifirmen. Bevor jetzt notorisch misstrauische Naturen mir hier was unterstellen möchte ich darauf hinweisen, dass ich weder für das Sporthaus noch für eine der genannten Firmen arbeite oder in irgendeiner Beziehung zu ihnen stehe. Es wird aber erlaubt sein so eine tolle Sache hier lobend zu erwähnen, anderen Sportgeschäften übrigens gern zur Nachahmung empfohlen. Es dürfte für den einen oder anderen Skifan bestimmt interessant sein was von den genannten Skifirmen an Neuem in der Saison 2012/2013 kommt.
Eines noch zu Skitests allgemein. Ein Skitest ist immer mit einem gehörigen Portion Subjektivität belastet. Ob das ein Test in einer der Fachzeitschriften ist oder eben so eine Sache wie ich hier aus meiner Sicht berichte. Nicht jeder Ski liegt einem. Jeder Skifahrer stellt andere Anforderungen und setzt andere Schwerpunkte. Ich habe mich bemüht meine Eindrücke so objektiv wie möglich zu schildern. Nur über eines sollte man sich im Klaren sein. Der beste Skitest ist immer der den man selber für sich macht. Denn die Ski für die man sich entscheidet und anschließend kauft, mit denen fährt man dann hinterher auch. Da nützt es dann wenig wenn das betreffende Model beim Test XY noch so gut abgeschnitten hat, man selber aber nicht klar kommt. Ein Skitest ist immer (nur) eine Momentaufnahme. Bei anderen Schneeverhältnissen kann das Ergebnis ganz anders ausfallen. Es gibt im Internet ein gut 10 minütiges Video eines bekannten Skitests (den Namen verschweige ich hier mal) da sieht man die Tester in weichem “suppigen” Schnee hoch sportliche Ski testen. Das mag für Allmountain Modelle noch angehen aber für Race- und Slalom Carver sind solche Bedingungen ungeeignet und das Ergebnis hinterher dann auch wenig aussagekräftig.
Doch nun zu meinen Erfahrungen. So lange die Eindrücke noch frisch sind will ich sie schnell zu Papier bringen. Bei strahlend blauem Himmel und sehr guten Schneeverhältnissen konnte ich also am heutigen Samstag die neuen Brettl fahren. Die Pisten waren bestens präpariert, in der Nacht hatte es ca. minus 5 Grad. Gegen 9 Uhr waren die Pisten hart aber griffig. Im Laufe des Vormittags ging die Lufttemperatur dann langsam in den Plusbereich, so das die Piste etwas weicher wurde. Das Oberjoch hat zu dieser Jahreszeit mit der inzwischen schon starken Sonneneinstrahlung den Vorteil, dass die Sonne nur sehr flach auf die Pisten scheint und der Schnee nicht so schnell weich wird wie es bei Südhängen der Fall ist. An einigen Stellen war die Piste dann gegen Mittag schon abgefahren und harschig hart. Durch die wechselnden Bedingungen ideal um in der Früh die sehr sportlichen Ski zu testen und später bei weicherer Piste die Allmountain Modelle. Um die Skilänge richtig einordnen zu können, ich bin 185 cm groß und wiege 79 Kilo.
Gefahrene Ski Modelle:
K2 Bolt in 179 cm Länge.
Der Bolt ist ein sehr sportlicher Race Carver. Das Hauptaugenmerk der Firma K2 liegt im Allmountain- und Freeride Bereich. Der sportlichste Pistenski war bisher der Charger. Der Bolt ist nun darüber angesiedelt. Der Bolt ist auch bei hohem Tempo sehr laufruhig, der Kantengriff ausgezeichnet. Der Ski macht bei weiten Temposchschwüngen auf der Kante viel Spaß und zieht dahin wie auf Schienen. Klasse Ski.
K2 Charger in 179 cm Länge.
Da ich den Charger Modell 2010/2011 selber in 174 cm Länge habe war ich hier besonders gespannt wie sich das neue Modell schlägt. An der Taillierung und an 10% Tip Rocker (oder Speed Rocker wie es K2 nennt) hat sich nichts geändert, auch sonst sind die Unterschiede nicht groß. Der Ski ist einen Tick sportlicher geworden, fährt sich nach wie vor völlig problemlos, Kantengriff und Laufruhe sind gut. Auch im verspurten Schnee neben der Piste macht der Charger eine gute Figur. Dekor ist ähnlich wie beim Bolt, dezent mit viel schwarz und nur wenig Farbe.
Fischer Progressor 900 in Länge 175 cm.
Der Vorgänger Progressor 9+ gehört zu meinem eigenen “Fuhrpark”. Der 9+ geht super bei mittleren wie langen Schwüngen was macht der Nachfolger? Mit einem Wort, eine Enttäuschung. Der Kantengriff ist schlechter als beim Progressor 9+ und auch sonst konnte mich der 900er nicht überzeugen. Ich muss dazu sagen, dass es sich bei dem Ski den ich gefahren bin um einen Testski handelt der schon einige Wochen auf dem Buckel hatte, im Gegensatz zu den anderen Skiern die brandneu waren. Belag und Kanten waren aber makellos. Keine Ahnung ob Fischer beim Progressor 900 einiges an Serienstreuung drin hat, das Modell was ich gefahren habe war alles andere als gut.

Fischer Progressor 950 in 175 cm Länge.
Beim Kantengriff gab es hier nichts zu meckern aber der Ski ist so was von „Kurven unwillig“. Man muss den Ski deutlich mehr aufkanten bevor er in die Kurve zieht, nix mit direktem Kurveneinzug. Ist er dann auf der Kante liegt er schön ruhig und entwickelt viel Zug. Der schnelle Wechsel von Kante zu Kante verlangt viel Kraft. Fazit: auch hier hat mich Fischer enttäuscht. Da hilft dann auch das grafisch schöne schwarz- weiß Dekor mit Carbon Deckschicht nichts.
Nach diesen zwei ernüchternden Erfahrungen mit Fischer habe ich die neuen Hybrid Modelle (5 Stück mit Mittelbreiten von 75 bis 105 mm) bei denen man mit einem Schalter auf der Skioberseite zwischen gerockertem Ski und klassischem Camber umschalten kann nicht mehr getestet. Im Nachhinein habe ich aber von anderen Leuten gehört, dass das Konzept mit dem Schalter aufgeht und die Modelle sich gut fahren lassen.
Stöckli Laser SL in 165 cm.
Beim Stöckli SL den ich gefahren habe handelt es sich um den Slalom Ski in der Weltcup Ausführung. Die normale Version ist zahmer. Bei den ersten Schwüngen sehr gewöhnungsbedürftig. Die Ski verlangt viel Einsatz. Die Torosionssteifigkeit ist enorm. Auf der Kante zieht er unbeirrt dahin und greift auch auf harschig hartem Schnee wie eine Eins. Schnelle Kantenwechsel brauchen Kraft. Da merkt man halt den Unterschied von einem “normalen” Slalom Carver und einem echten Rennski. Wer über gute Kondition verfügt und bereit ist Kraft zu investieren wird den Ski lieben. Nur den ganzen Tag möchte ich den nicht fahren.
Stöckli Laser CX in 170 cm Länge.
Toller Ski, sehr laufruhig, Top Kantengriff. Problemlos zu fahren, vermittelt ein sicheres Gefühl auch bei hohem Tempo. Zieht beim Aufkanten sofort in den Schwung rein so wie ich es von einem sportlichen Carver erwarte.
Stöckli Laser SX in 170 cm Länge.
Dieses Modell war aus der Saison 2011/2012 und war schon einige Tage gefahren. Von den Fahreigenschaften sehr ähnlich dem Laser CX. Laufruhe und Kantengriff auch hier tip top.
Stöckli Y 77 in 176 cm Länge.
Der Y 77 ist ein Allmountain Ski mit einer Mittelbreite von 77 mm, daher die ulkige Bezeichnung. An dem Ski fällt sofort die extrem breite Schaufel auf. Die Schaufel hat einen Shape wie die beim Salomon BBR. Da hat sich Stöckli offensichtlich von Salomon inspirieren lassen. Die Schaufel ist deutlich gerockert (ca. 20 %) und ist zudem sehr weich und flach. Auf der Piste carvt der Y 77 prima, verlangt wenig Kraft und macht einfach Spaß. Im verspurten Schnee neben der Piste schwimmt er durch die breite Schaufel schön auf und pflügt ohne Probleme durch die zerfahrenen Schneehaufen. Bei hohem Tempo auf der Piste neigt die Schaufel zum Flattern. Kein Wunder bei der Breite und dem weichen Flex. Sobald man den Ski aber aufgekantet in der Kurve hat ist die Unruhe der Schaufel weg. Mein Fazit: guter Allmountain Ski mit breitem Anwendungsbereich.
Head Supershape I-Speed in 177 cm Länge.
Der Head überzeugte mich mit gutem Kantengriff und guter Laufruhe. Ein eher unauffälliger Ski (im positiven Sinn) der genau das macht was man will. Problemlos zu fahren. Ich habe schon oft gehört die sportlichen Head verlangen nach Kondition und Einsatz so kann ich dem neuen I-Speed bescheinigen, dass er weder beim Kraftaufwand noch beim Fahrkönnen besondere Anforderungen stellt.
Völkl SL Speedwall in Länge 165 cm.
Last but not least oder das Beste sollte man sich für zuletzt aufheben. Völkl ist mit diesem Slalom Caver ein großer Wurf gelungen. Der Ski ist enorm spritzig geht super schnell von Kante zu Kante und ist dermaßen leicht zu fahren das es eine Pracht ist. Selbst bei hohem Tempo liegt er ruhig und sicher. Bereits leichtes Aufkanten genügt und ab geht es wie im Karussell. Der Kantengriff ist absolut Top. Ich habe bewusst die abgefahrenen harschigen Stellen gesucht um den Kantengriff zu testen. Der Völkl zieht darüber wie auf Schienen. Wie gesagt das Ding ist so problemlos und leicht zu fahren, den Ski kann man selbst mittelmäßigen Fahrern wärmstens empfehlen. Leider war der SL nur in 165 cm Länge verfügbar. Ich hätte ihn gern in 170 cm gefahren denn da ist es sicherlich noch etwas breitbandiger. Da der Völkl mir vom ersten Schwung an so toll zusagte habe ich ihn morgens auf harter Piste gefahren und später dann noch bei weicherem Schnee und beide Male war der Eindruck super. Auch vom Dekor sehr ansprechend mit silber und gelb. Bei dem Ski ist mein “haben will Reflex” schon seeeehr groß. Möge der nächste Winter kommen.
Es war noch ein Freund von mir dabei der auch ein sehr erfahrener Skiläufer ist und die Beurteilung der Ski, die wir beide probiert hatten, war bis auf kleine Nuancen nahezu identisch.
Natürlich waren noch eine Menge anderer Ski da aber dazu reichte die Zeit nicht und ich habe mich auf die aus meiner Sicht interessantesten Modelle beschränkt. Okay, dass ich die Fischer Hybrid nicht gefahren bin ärgert mich jetzt,


