Ich beim Carven, Bitte um eine ausführliche Analyse

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LincolnLoop
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Beitrag von LincolnLoop » 16.01.2008 16:28

@kartnerbua: Die von Dir angesprochenen Geräte sind Geräte zur Gleichgewichtsschulung. Das ist nur 1 von 7 koordinativen Fähigkeiten (zumindest nach "unserer" Unterscheidung)! Was Hosky - denke ich zumindest!? - gemeint hat, waren auch nicht so sehr die Fähigkeiten an sich, sondern eher die Frage, ob jemand neue Bewegungsmuster schnell umsetzen kann (wozu man natürlich koordinative Fähigkeiten benötigt!).

@Alex: Nun zum Teil b)
Kurzschwung:
Ein Kurzschwung benötigt neben der Eigensteuerung der Ski noch einen zusätzlichen Drehimpuls. Der Einfachheit halber (d.h. es gibt auch noch andere Möglichkeiten) gehe ich von einem "beinorientierten" KS aus, d.h. der Impuls geht von den Füßen oder Beinen aus. Um homogen (d.h. ohne "Wischen" der Skienden oder Anheben der Spitzen) zu drehen, benötigt man eine zentrale Position -> Du fährst den KS in (doch signifikanter) Rücklage, benutzt Dein Becken/Gesäß als "Masseschieber" und drückst eher die Enden hin und her als zu fahren. Das funktioniert relativ kraftsparend, hat aber den Nachteil, dass Du
a) Deinen Ski nicht voll ausnutzt
b) immer eine bestimmte Zeit zum Richtungswechsel brauchst
c) die Vorspannung, die Dir ein Vorausdrehen der Beine als "Federweg" bietet, nicht ausnutzt (da Du die alte Position erst auflösen musst und dabei die Energie verpufft).
Das Timingproblem (in b) und c) angesprochen) sieht man besonders deutlich im 2. KS-Video, dort geht der Ski einfach nicht "ums Eck".
Tipp: Übe den KS zuerst im ganz Flachen. Das wird am Anfang zäh, aber:
- Im Flachen kannst Du Dich optimal auf die Mittellage Vor/Rück konzentrieren!
- Wenn Du im Flachen den Drehimpuls aus den Beinen herbekommst, dann im Steilen erst recht!
- Eine verstärkte Vertikalbewegung ("Drehen im Beugen") kann helfen.

Carving-Schwung:
Ich denke, dass hier das grundsätzliche Bewegungsmuster (Position, Aufkantbewegung etc.) ganz gut ist, verbesserungswürdig ist das "Wie"...
- Du fährst winzige Schwungwinkel, dadurch wird das Tempo zu hoch und Du musst entweder abschwingen oder auf flaches Gelände hoffen. Fahre die Schwünge weiter aus der Falllinie. Als kleine Stütze könntest Du Dir auf einem wenig befahrenen Hang die Breite von etwas 3-4 Pistenraupenspuren nehmen und diese gleichmäßig von rechts nach links ausfahren.
- Die Schwungeinleitung an sich würde passen, allerdings löst Du sofort (sobald Du Druck von unten/Widerstand verspürst) auf. Arbeite an Deiner Rhythmisierungsfähigkeit (übrigens auch eine koordinative Fähigkeit!), damit "zwingst" Du Dich automatisch, den Schwung durchzuziehen. Übungen gibt es zuhauf:
- Den Schwung als "Welle" sehen
- Rhythmuszählen
- Man kann den Stockeinsatz nutzen
- Synchro- oder Hinterherfahren
- Rennlauf/Stangentraining
- bereits angesprochen: Spurbreite anhand der Pistenraupenspuren vorgeben
...

Ich denke, damit kann man sich erstmal beschäftigen! :wink:

Gruß, Chris
Zuletzt geändert von LincolnLoop am 19.01.2008 11:41, insgesamt 1-mal geändert.
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Beitrag von Hosky » 16.01.2008 16:32

Nicht dass Du mich falsch verstehst, dass man bei der Geschichte das eigene Fahrkönnen verbessern will, ist mehr als legitim, es sollte eben nur nicht einzige Motivation sein :wink:

Mit koordinative Fähigkeiten meine ich Dein vorhandenes allgemeines Bewegungsspektrum, die Fähigkeit, Signale, Die Du erhältst (Sehen, Gleichgewichtsorgan, Sensorik etc...) aufzunehmen und in Bewegungen umzusetzen, Umsetzung von Bewegungsaufgaben etc... als Handballer hast Du wahrscheinlich keine schlechte Voraussetzungen dafür, auch daß Du es in 5 Jahren ohne professionelle Anleitung auf Deinen Level geschafft hast, spricht dafür, daß Du diese Voraussetzung wohl erfüllst. Entscheidend ist bei einer Ausbildung auch oft, wie schnell der Anwärter geforderte Aufgaben umsetzen kann, da Dir viele Fahrformen, die während einer Ausbildung gefahren werden, zunächst nicht bekannt sind, Du zu Demonstrationszwecken gewisse Elemente betonen können musst, zB Pflugbogen in verschiedenen Varianten erlernen musst, etc...

Wer ein eingeschränktes Bewegungsspektrum hat, neue Bewegungselemente nur langsam lernt und Veränderungen nicht erspüren kann, hat hier eher Schwierigkeiten.

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Beitrag von Hosky » 16.01.2008 16:33

Oops, Chris kam zwischenrein - :zs: wobei Gleichgewicht natürlich ein wesentliches Element hiervon ist.

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Beitrag von urs » 16.01.2008 20:03

hallo alex

chris hat dir schon eine sehr schöne analyse geliefert. ich möchte hier nur noch einige dinge ergänzen.

ganz wichtiger tipp, sehr einfach umzusetzen: kauf dir kürzere stöcke :wink: !!!

beim kurzschwung fehlt meines erachtens die kontrolle etwas, du "flüchtest" dich ins carven. die schwünge müssen prägnanter, d.h. mehr aus der falllinie und mir kurzem aufkanten gefahren werden.

was mich beim carven stört ist, dass du immer richtung tal schaust, d.h. nur die beine drehen sich in fahrtrichtung. becken und oberkörper sollten mitdrehen.

die hohe armhaltung wurde schon angesprochen. aber ich glaube nicht, dass es einfach damit getan ist, sie runter zu nehmen, denn diese haltung hat vermutlich eine funktion. für mich sieht es aus, wie wenn du dich verkrampft irgendwo "festhalten" würdest. dass eine exakte diagnose aus der ferne aber nur schwer zu stellen ist, war der grund, dass ich dir privatstunden empfohlen habe. wenn du jetzt einzelne tipps umzusetzen versuchst, läufst du gefahr, dass grundlegende fehler in der körperhaltung nicht korrigiert werden. und du wirst immer schnell an dein limit kommen.

gruss urs

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Beitrag von Yeti » 16.01.2008 20:11

Hosky hat geschrieben:... Mit koordinative Fähigkeiten meine ich Dein vorhandenes allgemeines Bewegungsspektrum, die Fähigkeit, Signale, Die Du erhältst (Sehen, Gleichgewichtsorgan, Sensorik etc...) aufzunehmen und in Bewegungen umzusetzen... Wer ein eingeschränktes Bewegungsspektrum hat, neue Bewegungselemente nur langsam lernt und Veränderungen nicht erspüren kann, hat hier eher Schwierigkeiten...
Hm, ich denke, Du meinst hier eher kognitive Fähigkeiten ;-).
Die Kognitionswissenschaft ist ein ziemlich interessantes und spannendes Gebiet ...

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Beitrag von M.H. » 16.01.2008 20:37

Hmm, die kognitiven Fähigkeiten alleine würden meiner Meinung nach aber nichts bewegen. Die befähigen ja nur dazu den sensorischen Input zu bewältigen und ihn in einen sinnvollen Kontext zu setzen, oder?

Man sagt ja auch Hand-Auge-Koordination und und nicht Hand-Auge-Kognition und meint damit das Zusammenarbeiten von Sensorik und Motorik.
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Beitrag von Yeti » 16.01.2008 21:49

M.H. hat geschrieben:Hmm, die kognitiven Fähigkeiten alleine würden meiner Meinung nach aber nichts bewegen. Die befähigen ja nur dazu den sensorischen Input zu bewältigen und ihn in einen sinnvollen Kontext zu setzen, oder?

Man sagt ja auch Hand-Auge-Koordination und und nicht Hand-Auge-Kognition und meint damit das Zusammenarbeiten von Sensorik und Motorik.
Na ja, die kognitiven Fähigkeiten und Prozesse sind doch noch etwas umfangreicher...
Zur Kognition zählen (einfache und höhere) Fähigkeiten des Menschen wie Aufmerksamkeit,
Vorstellung, Wahrnehmung, Handeln (aus dem Verständnis heraus), Erkennen
Denken, Verstehen, Lernen, Entscheiden, Sprechen, Schlussfolgern, Problemlösen,
Urteilen und Erinnern.

Die Wahrnehmung der Aussenwelt wird vom Menschen von fünf verschiedenen Sinnesorganen
übernommen. Diese wahrgenommenen Sinneseindrücke hängen stark von unserer Aufmerksamkeit
ab und werden durch kognitive Prozesse entsprechend verarbeitet und beeinflusst. An diese
kognitiven Prozesse sind unter anderem das Bewusstsein mit seinen Filtern und das Gedächtnis
gekoppelt. Erst durch die Fähigkeit, Dinge zu erkennen, können diesen Assoziationen
zugeordnet und dieses Netz im Gedächtnis gespeichert werden. Hier sind wir dann wieder
bei unseren Bewegungsmustern angelangt. Durch entsprechendes Üben und Lernen verdichten
sich diese neuronale Netze, welche Schlussendlich für die Ansteuerung der Muskeln und
somit der eigentlichen (Ski-) Bewegung verantwortlich sind.

Etwas OT, aber ich wollte es im Zusammenhang mit Bewegungsmustern, Koordination etc.
mal erwähnen ;-).

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Beitrag von Juli » 17.01.2008 00:38

Hm... Yeti,
ich denke Hosky meinte (oder meint es immer noch :wink: ) schon die KOORDINATIVEN Fähigkeiten...

Jedenfalls nach der Einteilung und Definition wie ich sie aus dem Studium kenne.

Hier mal ein Link:
http://www.sportunterricht.de/lksport/kofae1.html

Das heißt nicht, dass deins falsch ist - sondern nur, dass Hosky glaube ich schon
den richtigen Begriff gewählt hat.

Lg
Judith
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Beitrag von Hosky » 17.01.2008 18:11

Kognitive Fähigkeiten sind manchmal Voraussetzung, damit es überhaupt zur Anwendung der koordinativen Fähigkeiten kommen kann :wink:

Da sie auch für den Unterricht von Belang sind, können wir kongnitive Fähigkeiten getrost als Voraussetzung hinzufügen. Wo die Trennlinie in der Kette Wahrnehmung-Verarbeitung-Umsetzung im Einzelfall genau liegt, ist hier unerheblich.

Alex Späth
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Beitrag von Alex Späth » 17.01.2008 19:13

LincolnLoop hat geschrieben: Du fährst den KS in (doch signifikanter) Rücklage, benutzt Dein Becken/Gesäß als "Masseschieber" und drückst eher die Enden hin und her als zu fahren


Ich dachte immer, dass die rücklage dadurch gekennzeichnet ist, dass man die Ski nicht mehr richtig unter Kontrolle hat. Das geht mir beim fahren in Buckelpisten zum teil so...bei normaler Piste hab ich das Gefühl, alles sicher unter Kontrolle zu haben?! Wie passt das zusammen???

Gruß Alex, und danke für die tipps chris, kann ich am Wochenende gleich mal umsetzen -.-

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