Kurze Radien_schon wieder ;)

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Jean
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Re: Kurze Radien_schon wieder ;)

Beitrag von Jean » 02.12.2015 12:22

Guten Morgen!
Ich bin erfreut über die neue Diskussion um mein Video und habe die letzten zwei Tage die Diskussion verfolgt.
Danke euch erst einmal dafür-insbesondere auch Martina!
Ich bin immer und jederzeit glücklich über Feedback, Tipps und vor allem eine rege Diskussion.
Ich versuche jetzt einmal all dem Input hier gerecht zu werden ...

Da hier einige Fragen aufgekommen sind-versuche ich einmal darauf einzugehen.
Einige vermuten ich sei viel im Gelände unterwegs (Spannend-sonst höre ich immer, dass ich doch sicher aus dem Rennlauf käme). Bin ich ehrlich gesagt (leider) nicht. Den Ski nutze ich nur in Norwegen zum unterrichten (die Pisten dort sind eher mit den Verhältnissen in Kanada zu vergleichen. Alles und jeder fährt neben der Piste, wirklich gut präpariert sind sie auch selten) und rumcruisen-einfach weil es Spaß macht.

Ein Feedback mit hohen Ansprüchen ist mir natürlich lieb und wichtig.
Was mir persönlich helfen würde, wäre, wenn hier insb. professionelles Feedback kommt, ihr Infos zu euerm Background geben könntet (welcher Verband, Ausbildung etc.). Aus Erfahrung weiss ich: jeder Verband (und tw. auch Landesverband) hat da sehr eigene Vorstellungen und Wünsche.


Zur Fahrt selber: erstes ist die Aufnahme natürlich nicht das Gelbe vom Ei (war auch eig. gar nicht als Anschauungsmaterial gedacht-sonst filme ich auch von der Seite und von hinten). Aufgrund der Schneeverhältnisse, meiner Konsistenz und des Materials waren dies für mich die für Situation, Material etc. die passenden Schwünge.
Und darum geht es ja-unabhängig von Verbandsdiskussionen und Vorstellungen:
Zu jeder Zeit den zu den Verhältnissen, Material und Mensch passenden KS zu fahren.
Hier wurde ja auch schon einiges zum verwendeten Material geschrieben (ich bin die Letzte, die mangelnde Performance auf den Skis schiebt), aber: der Aura (von 2011/2012) ist sehr hart. Das führt dazu, dass es für mich manchmal schwer ist, mit ihm auf der Piste zu arbeiten (weniger bei mittleren bis großen Radien, eher bei kurzen). Wenn ich bei den Verhältnissen wie auf dem Video noch mehr Kantendruck gebe, dann versinkt er mir, die Fahrt stockt und ich bekomme Bewegungsspitzen. Daher gehe ich relativ früh auf den neuen Außenski-mir ist der Ski sehr träge bei den Verhältnissen. Alles für mich unerwünscht-daher eben Situationsangepasst.

Zum Feedback von Votre (und Tarsis): ich tue mich gerade schwer mit dem Feedback. Kannst du "Du solltest deine Schwünge runder fahren und den Schwung mit mehr Spannung einleiten. Diese Spannung entsteht, wenn du deine Ski am Ende des Schwungs Richtung Hang drehst und dann Kantendruck gibst, danach entlastest- du wirst merken, dein Schwung wird wesentlich harmonischer und weniger "abgehackt" aussehen." konkretisieren?
Was kann ich unter einem "Richtung Hang drehen und Kantendruck geben" verstehen? Ich kann mir unter dieser Formulierung viel vorstellen - aber nichts explizites. Vielleicht ganz klar einfach in Fachterminilogie-ich denke damit werde ich evtl. besser klarkommen. Auch bei dem angesprochenen "S". Sprichst du hier vom Kurvenwinkel?


@Surpries: Stimmt. Video Nr. 2 ist mir durch die Lappen gegangen. In 3 Wochen geht's wieder los nach Norwegen-dann habe ich sicher die Gelegenheit, ein Video zu drehen.

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Re: Kurze Radien_schon wieder ;)

Beitrag von Tarsis » 02.12.2015 13:20

Hintergrund: Hab meine Ausbildung im DSV, um genau zu sein BSV bzw ASV (Allgäuer..) gemacht, Skilehrer seit ca 15 Jahren aber die letzten Jahre nicht mehr so aktiv - bis dahin war ich aber immer am Puls der Zeit zumal zwei von unserem Skiclub auch im Bundeslehrteam fahren. Privat mittlerweile mehr in Richtung Freeride unterwegs und mangels Zeit viel weniger Skitage...

Dein Zitat stammt von votre also darf er das selbst erläutern wie es im Detail gemeint war :)

Zum Ski: Puh wenn der zu dem Modelljahr nicht grad deutlich üerarbeitet wurde dann stell ich mir den denkbar ungeeignet für nen runden Kurzschwung vor - habe das entsprechende Herren Modell vom Jahr davor öfter gefahren und das sind wie gesagt Welten im Vergleich zu den aktuelleren Völkl Modellen, hätte ich so krass nie geglaubt wenn ichs nicht selbst gefahren hätte.

Ich glaube nicht dass ich mit dem Ski irgendwie nen "besseren" Kurzschwung fahren würde.

Unabhängig davon denke ich dass man etwa in der unteren hälfte des Laufs sieht dass die bewegungen leicht stocken, mit nem geeigneteren Ski könnte man das daher runder fahren.
Aber nochmal: Ungeeigneter Ski, schwiereige Perspektive, kurzer Ausschnitt... Glaube nicht dass es sinnvoll ist das eine Video zu tief zu analysieren oder sich zu sehr an Details davon aufzuhängen.

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Re: Kurze Radien_schon wieder ;)

Beitrag von Martina » 02.12.2015 20:56

Jean hat geschrieben:Hier wurde ja auch schon einiges zum verwendeten Material geschrieben (ich bin die Letzte, die mangelnde Performance auf den Skis schiebt), aber: der Aura (von 2011/2012) ist sehr hart. Das führt dazu, dass es für mich manchmal schwer ist, mit ihm auf der Piste zu arbeiten.
Habe ich es mir doch gedacht! Ich glaube wirklich, dass der etwas frühe Wechsel daher kommt, dass du den Aussenski, weil er für dich hart ist, gar nicht mehr weiter durchbiegen könntest und er somit, wenn du den Druck drauflassen würdest, wegrutschen (oder 'wackeln') würde.
Auch ich bin meist der Meinung, dass man eine Problematik lieber nicht auf's Material schiebt, aber hier könnte es durchaus sein.
Wenn es so ist, zeigt es, dass du ein sehr feines Gefühl für die Ski hast, auch dafür, was die Grenzen in dieser Situation sind.

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Re: Kurze Radien_schon wieder ;)

Beitrag von gebi1 » 02.12.2015 21:40

Der Aura/Mantra (erst ab Saison 14/15 mit Fullrocker) ist wirklich sehr hart. Der Kurveneinzug wird durch den Fullrocker doch deutlich schwammiger (Aura der TE hat nur nen Tiprocker). Zudem lässt sich der grosse Radius (Mantra: 184cm, 25m Radius) mit diesem harten Flex kaum drücken. Der Fullrocker spielt dann halt im Gelände seine Trümpfe. Hier schwimmt der Ski trotz bescheidener Breite sehr gut auf und lässt sich einerseits modern, mit weiten Turns fahren. Aber auch lässiges Driften und Querstellen im tiefen Powder ist möglich. Bei langen Turns auf der Piste zeigt der Aura/Mantra wieder ein anderes Gesicht. Erst einmal auf die Kante gestellt, mag er es punkto Speed, mit fast jedem Racecarver aufnehmen. Auch auf harter Piste.

Im Vergleich lässt sich der etwa gleich grosse Radius des viel breiteren K2 Pettitor (Rocker-Camber-Rocker) 189cm Länge, 120mm Mittelbreite) fast auf das Mass eines Slalomskis drücken. Dies weil der Flex im Schaufelbereich mit dem gewaltigen Powderrocker so weich ist. Dafür ist dann der Camber unter der Bindung ultrahart. Darum können solch lange und breite Ski auch relativ gut gecarvt werden, wenn auch die Breite der Ski den Kantenwechsel doch etwas schwerfällig werden lässt.

Diese zwei (etwas langatmigen) Vergleiche sollen zeigen, dass die Schwungform sehr wohl vom Charakter und der Bauweise eines Ski's beeinflusst werden können.

Trotzdem, mir gefallen die gezeigten Kurzsschwünge sehr!

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Re: Kurze Radien_schon wieder ;)

Beitrag von mirquez » 13.12.2015 09:45

Alles in allem eine spannende Diskussion. Zu den Beinen wurde schon mehr gesagt als ich verstehen würde. Was mir aber noch auffällt:

Die Arme sind verbesserungswürdig!? Der Stockeinsatz ist kaum vorhanden (linker Arm noch eher als rechter), und der Stock wird tendenziell sehr weit hinten gesetzt (sofern man das hier erkennen kann). Das ist bei Technik auf diesem Niveau sicher ein Kinderspiel umzusetzen, könnte aber auch für die oben genannten Verbesserungsvorschläge hilfreich sein.

Einsprüche? Feuer frei!

lg, max

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Re: Kurze Radien_schon wieder ;)

Beitrag von Martina » 13.12.2015 12:35

Für mich sollte eine Bewegung immer eine Funktion erfüllen.
Beim Kurzschwung kann der Stockeinsatz helfen, zu rhythmisieren, den Oberkörper stabilisieren (drehen vermeiden) und die Richtung der Kippbewegung unterstützen.

Der Stockeinsatz hier sieht rhythmisch aus, der Oberkörper ist stabil und die Kippbewegung geht vor-seitlich.
Mir gefällt ,dass der Stockeinsatz nur angetippt und weit aussen ist. Dadurch ist ein seitliches kippen-strecken möglich.
Oft sieht man beim KS, dass der Stock weit vorne und nahe bei den Ski eingesetzt wird. Das allein stört mich nicht, aber daraus folgt oft eine ausgeprägte 'hoch'-Bewegung ohne oder mit zu wenig starkem seitlichen Kippen (weil der Stock ja im Weg ist).
Aber genau so ein Stockeinsatz erfüllt das ästhetische Ideal von vielen Skifahrern.

Es ist auch möglich, einen Stockeinsatz vorne-nah bei den Ski zu machen, ohne das Kippen zu vermindern. Dann muss er ziemlich früh im Verlauf der Kurve erfolgen.

Vermutlich ist es das, was du als idealen Stockeinsatz als Bild vor Augen hast.

Hier gilt für mich: Ich finde den Stockeinsatz, wie sie ihn macht, absolut ok (und schön). Bissl einseitig ist er, zugegeben.

Wenn sie eine Prüfung fahren würde, könnte es sein, dass etwas anderes vorgegeben ist, eben z.B. weil ein so später Stockeinsatz dazu führen könnte, dass ein Lernender nicht seitlich kippt oder in Rücklage gerät ('am Stock nach hinten fallen').
Für mich ist jedenfalls klar, dass der Stockeinsatz ihren Bewegungsablauf hier nicht negativ beeinflusst (oder wenn, dann höchstens die Einseitigkeit minimal).

Man kann bei einem KS natürlich ganz andere Kriterien in den Vordergrund stellen. Es gibt ja ua. ganz unterschiedliche ästhetische Ideale. Reine Funktionialität muss nicht jedermanns und -fraus Sache sein!

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Re: Kurze Radien_schon wieder ;)

Beitrag von mirquez » 13.12.2015 15:17

Für mich sollte eine Bewegung immer eine Funktion erfüllen.
Ja, der Ansatz hat eine Logik. Wobei Skifahren auf diesem Level durchaus auch ästhetisch sein darf (ist die Fahrt ohnehin).

Ich kann mir aber durchaus vortellen dass mehr Stockeinsatz auch noch etwas rundere Kurven zaubert, was zuvor ja mal kritisiert wurde.

Ich finde diese Feedback - Funktion jedenfalls toll hier, und werde diese Saison auch die eine oder andere Videofahrt machen und hier reinstellen.

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Re: Kurze Radien_schon wieder ;)

Beitrag von Martina » 13.12.2015 17:26

Für mich ist es so, dass eine möglichst funktionelle Fahrt immer auch ein hohes ästhetisches Niveau hat, weil ideale Funktion viel Harmonie mit sich bringt.
Allerdings liegt Schönheit natürlich auch im Auge das Betrachters - zum Glück.

Meiner Meinung nach ist beim Skifahren "ich finde das schön" ein durchaus legitimes Argument für eine bestimmte Fahrweise - solange man niemanden gefährdet oder eine Prüfung bestehen will. Natürlich sollte man dies auch so definieren und nicht mit "nur so ist es richtig" oder "das ist schön" gleichsetzen.

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