Rückblickend durch was wurdet ihr besser?

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gebi1
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Re: Rückblickend durch was wurdet ihr besser?

Beitrag von gebi1 » 29.01.2022 22:39

Ich mache es an meinen 50 Jahren Erfahrung auf Ski und Skitouren fest. Es fehlt den Touristen aus dem Flachland einfach zu oft der Respekt vor dem Berg. Ich habe mein alpines "Handwerk" bei der Armee als Offizier bei den Gebirgsschützen gelernt. Eine fundierte Ausbildung am Berg.

Freeriden und Skitouren sind halt Mode. Ich halte diese Entwicklung für Bedenklich. Wer aus dem Flachland kommt geht ein oder zwei Mal pro Jahr in die Berge in die Ferien. Da ist man einfach zu wenig vertraut mit der Komplexität der alpinen Gefahren. Es sind zu häufig übermütige Deutsche, Holländer, Briten und andere die den weissen Tod in den Schweizer Alpen sterben. Macht man sie darauf aufmerksam, dass es gescheiter wäre auf das Powdern oder den Aufstieg zu verzichten, wird man manchmal sogar blöd angemacht oder ausgelacht. Gedankenlosigkeit und mangelnde Erfahrung und schwups hat dich das Schneebrett. Aber Hauptsache man hat coole Pics für Insta und Co. Und schon klar, dass es auch Touristen gibt die ihre Grenzen kennen und Vorsichtig und Umsichtig sind.

freeriderin
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Re: Rückblickend durch was wurdet ihr besser?

Beitrag von freeriderin » 29.01.2022 22:55

Danke.

Bin übrigens, was das Verhalten angeht, exakt deiner Meinung.

Nur der Begriff "Flachländer" stört mich echt. In meiner Welt (okay, klar, voreingenommen..) gibt es durchaus viele "Flachländer", die sich intensiv mit der Materie beschäftigen. Und viele "Nicht-Flachländer", die sich blöd verhalten. Die Herkunft ist für mich einfach kein Kriterium für (un-)vernünftiges Verhalten am Berg. Die am Berg verbrachte Zeit schon eher...

Schönen Abend!

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saschad74
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Re: Rückblickend durch was wurdet ihr besser?

Beitrag von saschad74 » 30.01.2022 11:51

Ich habe mir 'mal die Winterberichte des SLF für die Winter 2018/19 und 2020/21 angeschaut. In dem aus der vor-Covid-Zeit heisst es:
In 18 Lawinenunfällen starben insgesamt 21 Personen. Ein Patrouilleur kam auf einer Skipiste in Crans Montana (VS)(S. 88) und ein Fussgänger auf einer geschlossenen Strasse (Wintersperre) im Turtmanntal (VS)(Unfall Nr. 322, Tabelle 9 und Abbildung 88) ums Leben. Alle anderen Opfer waren zum Zeitpunkt des Lawinenabgangs im freien Gelände unterwegs, auf Ski- oder auf Bergtouren (17) oder auf Variantenabfahrten (2; Abbildung 70).
[...]
17 Lawinenopfer waren Männer, vier Frauen. Zwölf der Opfer waren Schweizer, vier stammten aus Deutschland, zwei aus Frankreich und je einer aus der Slowakei, aus Schweden und aus Ungarn. 18 Lawinenopfer waren ganz verschüttet, zwei teilverschüttet und ein Lawinenopfer war nicht verschüttet.
Im Bericht für den vergangenen Winter steht folgender Absatz, der die These von den viele Flachländern in den Lawinen nicht gerade untermauert:
Einfluss der Covid-19-Pandemie auf das Unfallgeschehen

Viel spekuliert wurde auch über den Einfluss der Covid-19-Pandemie. Die häufig geäusserte Vermutung, dass viele Personen mit wenig Lawinenerfahrung in den Bergen unterwegs waren, weil sie den vollen Skigebieten entfliehen wollten, und es damit zu mehr Unfällen mit unerfahrenen Personen kam, kann aus den Unfallzahlen kaum bestätigt werden. Zwar wird der Ausbildungsstand der erfassten Personen nicht in der Schadenlawinendatenbank erfasst, aber der subjektive Eindruck der Lawinenprognostiker und Unfallbearbeiter konnte diesen Umstand nicht bestätigen. Es waren bei den Unfällen oft auch viele sehr erfahrene Personen betroffen.
Und aufgeschlüsselt sind die Opfer wie folgt:
In 30 Lawinenunfällen starben 32 Personen. Alle Lawinenopfer waren zum Zeitpunkt des Lawinenabgangs im freien Gelände unterwegs, auf Ski- oder auf Bergtour (15), oder auf Variantenabfahrten (17; Abbildung 59).

30 Lawinenopfer waren Männer, ein Lawinenopfer eine Frau. Bei einem Lawinenopfer stand die Identität bei Berichtsausgabe noch nicht fest. 20 der Lawinenopfer waren Schweizer, vier Franzosen, zwei aus Belgien und je eine Person aus Österreich, Grossbritanien, Irland und Italien. Bei zwei Personen war die Herkunft nicht bekannt. 28 Lawinenopfer waren ganz verschüttet, drei teilverschüttet und eine Person nicht verschüttet.
Gruß, Sascha

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Re: Rückblickend durch was wurdet ihr besser?

Beitrag von ingo#31 » 30.01.2022 12:02

Hallo Kati,

ich möchte etwas zu dem Begriff "Flachländer" schreiben und vor allem, wie dieser in der Schweiz verstanden wird.
Wenn in der Schweiz von Flachländer gesprochen wird, sind eben die Leute aus dem Schweizer Flachland gemeint. Dieser Begriff wird nicht despektierlich verstanden, charmant wird eher gemeint: du kannst doch nicht Skifahren, weil du nicht aus den Bergen kommst. Skirennfahrer wie früher Peter Müller oder aktuell Niels Hintermann, können ein Lied davon singen....obwohl sie richtig Skifahren können.

In diesem Fall - so wie gebi1 den Begriff verwendet hat - könnte ich mir gut vorstellen, dass er das auf die fahrerischen Fähigkeiten bezogen hat und nicht auf die Herkunft oder Nationalität.
Leider kann ich ebenfalls, die Unfähigkeit vieler Skifahrer aus dem Ausland bestätigen.

Nicht ärgern, den Schnee und die Pisten weiterhin geniessen und Spass haben.

Gruss ingo

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Re: Rückblickend durch was wurdet ihr besser?

Beitrag von saschad74 » 30.01.2022 12:05

ingo#31 hat geschrieben:
30.01.2022 12:02
In diesem Fall - so wie gebi1 den Begriff verwendet hat - könnte ich mir gut vorstellen, dass er das auf die fahrerischen Fähigkeiten bezogen hat und nicht auf die Herkunft oder Nationalität.
Nun ja...
gebi1 hat geschrieben:
29.01.2022 22:39
Es sind zu häufig übermütige Deutsche, Holländer, Briten und andere die den weissen Tod in den Schweizer Alpen sterben.
;)

Gruß, Sascha

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Re: Rückblickend durch was wurdet ihr besser?

Beitrag von ingo#31 » 30.01.2022 12:13

Sascha,
ich bin selber Flachländer (stamme aus Bremen) und stehe auch voll dazu. Als Flachländer wurde ich von Schweizer schon oft bezeichnet.....das bezog sich aber auf die Herkunft :wink:

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Re: Rückblickend durch was wurdet ihr besser?

Beitrag von saschad74 » 30.01.2022 12:15

Ingo,

wie Du diesen Ausdruck meinst und verstehst, ist ja einfach Deine Sache und bleibt Dir unbenommen. Aber die von Martin gewählte Formulierung stützt nun einmal nicht Deine Interpretation davon, wie er es gemeint hat... :)

Nicht mehr und nicht weniger wollte ich aussagen.

Gruß, Sascha

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Re: Rückblickend durch was wurdet ihr besser?

Beitrag von ingo#31 » 30.01.2022 12:25

Ich möchte nicht für gebi1 sprechen, das kann und wird er selber machen.
Nachvollziehen kann ich, was er gemeint hat.
Wenn man 5 bis 8 Tage im Jahr zum Skifahren kommt, hat man die Zeit überhaupt nicht, um sich über andere aufregen zu können.
Bei vielen Skitagen >35 hat man einfach- oder man bekommt sie- mehr Möglichkeiten, sich über andere aufzuregen.
Ob man das machen muss, ist einem selbst überlassen. Ich habe das Glück, oft auf gute und sehr gute Skifahrer in meinem Skigebiet zu treffen,was eher dem Lerneffekt dient, als der Galle :roll: :wink:

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Re: Rückblickend durch was wurdet ihr besser?

Beitrag von saschad74 » 30.01.2022 12:42

Klar, ich kann auch nachvollziehen, was er - vermutlich - gemeint hat. Und klar ist auch, dass über die besonders krassen Fälle immer auch besonders intensiv und mit entsprechender Reichweite berichtet wird. Aber subjektive Erwartungshaltung prägt halt auch oft die eigene Wahrnehmung.

Ich will mich auch selbst nicht von Fehlverhalten ausnehmen, habe da auch schon so einige Böcke geschossen und kann mich daher aus persönlicher Sicht nicht über die Flachländer-Pauschalisierung beschweren. Trotzdem sehe ich persönlich, seitdem ich öfter in den Bergen unterwegs bin, auch gehäuft grob fahrlässiges Verhalten von offenkundig Einheimischen. So etwa letzten Sonntag noch am Hochkönig, als bei reichlich windverblasenem Neuschnee und "LWS3+" scharenweise einheimische Jugendliche in eher steilem Gelände in der Gruppe unterwegs waren. Sicherheitsausrüstung hatte da keiner mit von denen, die ich gesehen habe...

Ich bin generell kein Freund von Pauschalisierungen und wenn die offiziellen Zahlen sie noch nicht einmal ansatzweise stützen, dann noch viel weniger.

Gruß, Sascha

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Re: Rückblickend durch was wurdet ihr besser?

Beitrag von skifossil » 30.01.2022 13:19

freeriderin hat geschrieben:
29.01.2022 21:06
gebi1 hat geschrieben:
29.01.2022 15:18
(...) Ganz ehrlich, all die Flachländer, die ohne ausreichende Kenntnisse bezüglich Lawinenrettung, Schneekunde und lebensrettende Sofortmassnahmen im Gelände unterwegs sind, stellen ein grosses Ärgernis dar. (...)
Das gilt ganz genauso für Leute mit beliebigem Dialekt beliebiger Herkunft. Dämlichkeit ist kein exklusive Eigenschaft von Flachländern 8)



Was mich besser gemacht hat:
Skifahren. Vor allem bei schlechten Bedingungen und schlechter Sicht.
Außerdem fahren mit guten Leuten mit durchaus kontroversen Diskussionen über Skitechnik...
Das mit den schlechten Bedingungen und Sicht ist ein guter Punkt. Allerdings hilft es, das von Kindheit an in den Bergen erlernt zu haben. Und in der Schweiz gibt es keine Flachländer, bestenfalls Mittelländer, doch auch die standen, zumindest früher, von Kindheit an auf Skiern und verbrachten auch den Sommer in den Bergen. Eben zu Zeiten, als die Schweizer noch im eigenen Land Urlaub machten.
Das Flachland-Klischee ist jedoch überholt, seit Briten ein Slalom-Weltcup-Rennen gewinnen. Das Material, und die Kommunikation zur Bergrettung sind eben so gut geworden, dass sich auch Flachländer im Alpen-Disneyland was trauen.

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