Rücksichtsloses Verhalten am Berg

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saschad74
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Re: Rücksichtsloses Verhalten am Berg

Beitrag von saschad74 » 11.03.2020 07:39

Na, dann macht doch einfach den umgekehrten Test: verbiete Deinem Sohn für einen Tag den Helm und schaue 'mal, ob der dann nicht deutlich vorsichtiger und langsamer fährt. :)

Gruß, Sascha

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Ramon 23
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Re: Rücksichtsloses Verhalten am Berg

Beitrag von Ramon 23 » 11.03.2020 08:01

Ich möchte meinem Sohn eigentlich nichts verbieten.
Rad zb fährt er ohne Helm, ich mit. Das ist seine Entscheidung. Ich kann's ihm aber Mal vorschlagen.

Gruß Nils

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Ramon 23
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Re: Rücksichtsloses Verhalten am Berg

Beitrag von Ramon 23 » 11.03.2020 08:45

Ach ja, mein Sohn ist mittlerweile 18 Jahre, fährt Moped und Auto und darf selbst entscheiden :wink:

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TOM_NRW
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Re: Rücksichtsloses Verhalten am Berg

Beitrag von TOM_NRW » 11.03.2020 08:48

Hallo zusammen,

auch ich sehe eine Steigerung von rücksichtslosem Verhalten beim Skifahren in den letzten Jahren. Nach meiner Wahrnehmung sind es oft Gruppen von männlichen Skifahrern, über deren Verhalten ich mich ärgere. Bei den Gruppen gibt es meiner Meinung nach unterschiedliche Problemstellungen.

Variante 1: Anreise über Nacht / unausgeschlafen auf der Piste / unaufmerksam / möchten in kürzester Zeit das Maximale aus dem Skitag rausholen

Variante 2: zu viel Alkohol / laut / nehmen Risiken nicht Ernst / „wir haben Spass und alle anderen sind uns egal“

Variante 3: „wir fahren alle zusammen, passt schon“ / der Beste gibt Piste und Tempo vor / spätestens die Schlechtesten der Gruppe fahren weit über ihren Verhältnissen / wenn der letzte ankommt, geht es vorne wieder los ...

Besonders oft nehme ich solche Gruppen an Samstagen innerhalb der Saison war. Nicht selten sind es dann keine weit gereisten Touristen/Ausländer sondern „Einheimische“ aus dem 2-2,5 Stunden Umfeld der Skigebiete. Wenn die Variante 1-3 sich in einer Gruppe vereinen, wird es richtig gefährlich. Leider ist Skifahren für immer weniger Leute ‚Sport‘ und ‚Geniessen der Umwelt‘. Heute verbinden immer mehr Menschen Skiurlaub mit den Themen laute Musik und exzessiven Alkoholkonsum.

LG Thomas

s3b0
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Re: Rücksichtsloses Verhalten am Berg

Beitrag von s3b0 » 11.03.2020 09:47

TOM_NRW hat geschrieben:
11.03.2020 08:48
Variante 1: Anreise über Nacht / unausgeschlafen auf der Piste / unaufmerksam / möchten in kürzester Zeit das Maximale aus dem Skitag rausholen

Variante 2: zu viel Alkohol / laut / nehmen Risiken nicht Ernst / „wir haben Spass und alle anderen sind uns egal“

Variante 3: „wir fahren alle zusammen, passt schon“ / der Beste gibt Piste und Tempo vor / spätestens die Schlechtesten der Gruppe fahren weit über ihren Verhältnissen / wenn der letzte ankommt, geht es vorne wieder los ...
Hallo zusammen,

das könnte ich so auch unterschreiben - gerade der Punkt extremer Alkoholkonsum fällt mir immer wieder auf.
Dies dann aber eher von Touristen, die mit dem Reisebus aus ~ 2 Std. Umland kommen.
Bei uns in Ingolstadt gibt es z.B. Veranstalter, welche Party-Skifahrten mit anschließendem Apres-Ski anbieten.
Da steigen bereits morgens um 05:30 Uhr einige mit nem Pils in den Bus ein. Wie diese dann tagsüber auf der Piste unterwegs sind, kann sich jeder selbst denken.

https://www.galaxy-ingolstadt.de/aktionen/snowtour/
snowtour.jpg

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Pancho.Ski
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Re: Rücksichtsloses Verhalten am Berg

Beitrag von Pancho.Ski » 11.03.2020 09:52

Und weil das so daneben ist, hast du dir gedacht, hey - da mach ich gleich mal Werbung.... :D :roll:

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Pancho.Ski
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Re: Rücksichtsloses Verhalten am Berg

Beitrag von Pancho.Ski » 11.03.2020 10:36

saschad74 hat geschrieben:
10.03.2020 22:49
Der klassisch dokumentierte Fall von Risikokompensation ist ja der, dass KFZ-Versicherungen anfangs teilweise Rabatte für Kunden angeboten haben, die ein Fahrzeug mit dem damals neuen ABS (nein, in diesem Fall sind nicht die Rucksäcke gemeint...;)) gewählt hatten. Nach einiger Zeit stellte man jedoch fest, dass diese Autofahrer eher mehr als weniger Unfälle verursachten,
Es geht ja nicht um KfZ hier, aber wir hatten 1991 noch über 11.000 Verkehrstote, nun liegen wir bei über 3.000 / Jahr.

Und das obwohl die Verkehrsdichte, die Anzahl der PKW und somit die Gesamtfahrleistung stetig steigt, heutige Autos haben im Schnitt bedeutend mehr Leistung. Alle mir bekannten seriösen Begründungen führen das auf Verbesserung der Sicherheitstechnik zurück.

Ich muss mich berufsbedingt u.a. mit Sicherheitsfragen bei technischen Anlagen befassen. Als Ergebnis jahrzehntelanger Unfallforschung ist unumstritten und in den einschlägigen Regelungen verankert, dass technische / konstruktive Lösungen wo immer nur möglich organisatorischen, sprich auf Verhalten und Umsicht im menschlichen Verhalten, Anweisungen, Schulungen etc. vorzuziehen sind (natürlich sind diese als Ergänzung auch bedeutsam). Schutzausrüstung und Sicherheitstechnik hat sowohl die Fallzahlen als auch die Schwere maßgeblich reduziert.

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saschad74
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Re: Rücksichtsloses Verhalten am Berg

Beitrag von saschad74 » 11.03.2020 10:54

Die steigende Verkehrsdichte führt - aufgrund von "mehr Stau/zähem Verkehr" - zu eher weniger schweren Unfällen, weil tendenziell langsamer gefahren wird.

Die passive Sicherheit von KFZ hat sich in den letzten Jahrzehnten enorm verbessert - eine Vielzahl von Airbags, Seitenaufprallschutz etc., das ist absolut unbestritten. Das heisst: im Falle eines Unfalles hat man deutlich bessere Chancen, diesen weitgehend unbeschadet zu überstehen bzw. zumindest zu überleben. Dazu kommt noch eine wesentlich verbesserte Rettungsinfrastruktur und Intensivmedizin. Bspw. sind ja auch ohne nennenswerte Veränderungen in der Sicherheit die Fahrradtoten von 1991 bis heute um mehr als 50% zurückgegangen und das trotz einer starken Zunahme des Radverkehrsanteils.

Aber: es gibt m.E. in der psychologischen Wirkung bei KFZ einen deutlichen Unterschied zwischen Sicherheitsystemen, die Unfallfolgen mildern und solchen, die Unfälle verhindern sollen (bspw. ABS). Und die Vergleichbarkeit mit Skihelmen oder Protektoren ist auch eher eingeschränkt. Fast jeder akzeptiert es, dass man bei Skifahren gelegentlich stürzt (und für den Fall setzen dann viele einen Helm auf). Dann steht man in weit über 95% der Fälle einfach wieder auf und fährt weiter. Beim Autofahren werden weitaus weniger Menschen bereit sein, einen Unfall als "passiert eben, fährt man halt weiter" zu akzeptieren und vielmehr stark bemüht sein, auch kleine Unfälle und Blechschäden zu vermeiden.

Gruß, Sascha

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Re: Rücksichtsloses Verhalten am Berg

Beitrag von Pancho.Ski » 11.03.2020 10:59

Bei den Radfahrern ist die Helmquote ganz erheblich gestiegen, da bin ich sicher. 1991 ist kein Mensch mit Radhelm privat gefahren.

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Re: Rücksichtsloses Verhalten am Berg

Beitrag von saschad74 » 11.03.2020 11:02

Helmtragequote bei Radfahrern liegt hierzulande bei unter 20%. Ein Rückgang der Todesopfer um 50% ist damit nicht sinnvoll erklärbar (selbst dann, wenn man Radhelme als potentiell nützlich zur Verhinderung tödlicher Verletzungen ansieht, was ich nur in sehr engen Grenzen tue).
Zuletzt geändert von saschad74 am 11.03.2020 12:41, insgesamt 1-mal geändert.

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