Rücksichtsloses Verhalten am Berg

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saschad74
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Re: Rücksichtsloses Verhalten am Berg

Beitrag von saschad74 » 11.03.2020 13:54

Du hast also eine Fachkraft konsultiert, die anhand des Schadensbildes am Helm errechnet hat, welche Kraft dort eingewirkt hat, wieviel diese Kraft von einer alternativ getragenen Mütze absorbiert worden wäre und welchen Schaden die restliche Kraft bei Dir am Schädel angerichtet hätte? Respekt. :D

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Lothar
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Re: Rücksichtsloses Verhalten am Berg

Beitrag von Lothar » 11.03.2020 13:58

Die Diskussion hier erinnert mich an das gleiche Thema, Helm ja/nein, nur das Sportgerät war ein anderes, es ging um Rennräder. Das hatte fast schon religiöse Züge und ging soweit, dass ein Helm für schlimme Sturzfolgen verantwortlich gemacht wurde.

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saschad74
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Re: Rücksichtsloses Verhalten am Berg

Beitrag von saschad74 » 11.03.2020 14:02

Es gibt durchaus Verletzungsbilder (m.W. im wesentlichen HWS-Verletzungen), die durch Helme verursacht/begünstigt werden können.

Und beim Thema Fahrräder und Helme ist es immer wieder erstaunlich, wieviele Helmverfechter jahrzehntelang ohne Helm gefahren sind und kaum, dass sie sich zum Helmtragen entschieden haben, erleiden sie einen ganz schlimmen Unfall, den sie laut eigener Aussage ohne Helm niemals hätten überleben können. Insofern stimme ich Dir bzgl. "religiöser Züge" durchaus zu, allerdings meintest Du das vermutlich andersrum...:)

Gruß, Sascha

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gebi1
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Re: Rücksichtsloses Verhalten am Berg

Beitrag von gebi1 » 11.03.2020 14:23

Auf dem Rad bin ich, seit es Helme gibt, immer mit Helm unterwegs. Er gibt mir das Gefühl von Sicherheit. Trotz 15 Jahren Triathlonsport, bin ich ein ängstlicher Abfahrer geblieben. Techniktrainings haben zwar geholfen, das mulmige Gefühl, wenn's sehr schnell wird, ist geblieben. Zudem habe ich Angst, wenn der Strassenverkehr sehr dicht ist. Das lässt mich fast zu vorsichtig werden. Zwei schwere Radunfälle von Triathlonkollegen haben das Ihre dazu beigetragen. Beide haben überlebt, weil sie Helm trugen.

Auf Ski fühle ich mich absolut sicher. Nie Angst, höchstens Respekt. Ich bin aber ein besonnener Fahrer. Als ehemaliger Gebirgssoldat, der auch eine entsprechende Ausbildung genoss, bin ich mir aller alpinen Gefahren bewusst. Nachlässigkeit und Übermut bezahlst du im Hochgebirge mit deinem Leben.

Ich trug schon sehr früh einen Helm beim Skifahren. Gebraucht habe ich ihn einmal, als mich meine Slalomski ausgehebelt haben. Ich hob ab und knallte mit dem Kopf auf die harte Kunstschneepiste. Fazit: leichte Gehirnerschütterung.

Als ich am vergangenen Wochenende, das erste mal wieder nur mit Mütze unterwegs war, fühlte es sich zuerst komisch an. Aber dieses Gefühl verflog rasch und ich genoss das ohne Helm fahren. Dabei ging ich weder weniger noch mehr Risiken ein. Ich cruiste durch den Tiefschnee und dachte keinen Moment mehr darüber nach. Erst die Diskussion hier, lies mich etwas irritiert zurück. War das nun unvernünftig? Es kam so was wie schlechtes Gewissen auf, wie wenn man früher heimlich Schokolade stibizt hatte.

Ein nicht zu unterschätzender Faktor ist der Livestyle. Alpine Fahrer, die sich an Rennläufern orientieren, sehe ich oft mit entsprechendem Helm und anderem Raceequipment Bei den Freestylern kommt der Helm aus der Mode. Die Mütze ist wieder voll im Trend. Natürlich auch, weil viele Vorbilder oben ohne unterwegs sind.

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Pancho.Ski
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Re: Rücksichtsloses Verhalten am Berg

Beitrag von Pancho.Ski » 11.03.2020 14:58

gebi1 hat geschrieben:
11.03.2020 14:23
Dabei ging ich weder weniger noch mehr Risiken ein.
Da bin ich mir bei mir auch ziemlich sicher. Ich bin früher ohne Helm gefahren, und als junger Dummkopf mit viel mehr Risiko als heute, mit der Zeit wird man vernünftiger und besonnener, was sich im Fahrverhalten auswirkt. Das ist eine Entwicklung auf die der Helm, der irgendwann dazu kam, keinen nennenswerten Einfluss gehabt hat.

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Re: Rücksichtsloses Verhalten am Berg

Beitrag von s3b0 » 12.03.2020 09:59

Pancho.Ski hat geschrieben:
11.03.2020 09:52
Und weil das so daneben ist, hast du dir gedacht, hey - da mach ich gleich mal Werbung.... :D :roll:
In Bayern gibts a Sprichwort: Hauptsach d´Luft hod gschewad (für Dich: Hauptsache, die Luft hat gescheppert)
Gscheidhaferl

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Re: Rücksichtsloses Verhalten am Berg

Beitrag von bibobutcher » 17.03.2020 16:04

Ich bin von meinem 14 tägigen Kanadatrip zurück und ich kann euch sagen das entspannte Skifahren dort ist ein Traum.

Gründe:

Das Verhältniss Pistenfläche zu Lift ist geschätzt hoch 10 im Vergleich zu den Alpen.
Die Lifte sind alt und langsam, bedeutet weniger Skifahrer pro Std.
Wenn wirklich mal mehr los ist (an den WE), dann stehen die Leute relaxt, werden den Gondeln zugeteilt, dadurch immer voll, bekommen von Serviceleuten die Ski abgenommen und in den Köcher gesteckt, alles easy going.
Es wird nur ein Teil der Pisten präpariert, dadurch bessere Skifahrer und langsameres geländeangepasstes Fahren.
Bier ist so teuer, dass man sich nicht auf der Piste besaufen will :D

Nachteil: Skipässe sehr teuer (bis 150$) und kein Apres wie in Österreich

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Re: Rücksichtsloses Verhalten am Berg

Beitrag von anton06 » 18.03.2020 07:34

Nach 2 Unfällen mit anderen Personen,habe ich mir nach dem ersten Unfall einen Helm gekauft.
Ein Anfänger meinte die schwarze Piste nehmen zu müssen und um runter zu kommen,fuhr er quer über die ganze Piste.
Bevor ich los fahre,schaue ich immer,dass alles frei ist.
Vor dem Unfall bin ich sehr schnell gefahren.
Bei der zweiten Abfahrt,wollte ich wissen,wie der Ski sich bei langsamer Fahrt verhält.
Das war unser Glück.Ich war auch höchstens 10m vom Rand entfernt,als der andere von der anderen Seite der Piste herüber kam und mir von oben schräg in die Ski gefahren ist.
Ergebnis,meine Ski Bindung war aus dem Ski heraus gebrochen.
Die Leute versuchen überall runter zu kommen und beachten dabei ihr eigenes können nicht.
Zu Hause wird dann erzählt,wie toll sie waren und wo sie alles herunter gekommen sind.
Ohne Rücksicht auf andere,fuhr der Mann dumm dämlich der Berg herunter.
Da habe ich mir einen Helm und den Ski gekauft.
Ähnlich war es bei dem 2.Unfall.
Auch da kam der Andere von der anderen Seite herüber und fuhr mir seitlich rein.
Ergebnis,3 Rippen gebrochen.Ich habe mir meinen eigenen Skstock beim Sturz in die Seite gerammt.
Danach habe ich mir eine Weste gekauft.
Ich für mich muss nun schon sagen,dass ich mich sicherer fühle.
Ich achte jetzt noch mehr auf die Anderen.
Ist wie beim Motorradfahren,wenn man nicht auf die anderen aufpasst,bringen die einen um.
Früher waren schon viel weniger Leute auf der Piste.
Da muss es ja zwangsläufig zu mehr Unfällen kommen.
2 davon habe ich schon mal übernommen.😇
Was ich festgestellt habe,dass es schon darauf ankommt,in welchem Ski Gebiet ich fahre.
In Österreich wird mehr getrunken.
In Italien ist das nicht so der Fall.
In der Schweiz in Davos sieht es etwa aus,wie in Italien.
Zusätzlich sind dort noch viele ältere Lifte und die Pisten leerer.
Zuletzt geändert von anton06 am 18.03.2020 18:46, insgesamt 1-mal geändert.

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gebi1
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Re: Rücksichtsloses Verhalten am Berg

Beitrag von gebi1 » 18.03.2020 18:28

bibobutcher hat geschrieben:
17.03.2020 16:04
Ich bin von meinem 14 tägigen Kanadatrip zurück und ich kann euch sagen das entspannte Skifahren dort ist ein Traum.

Gründe:

Das Verhältniss Pistenfläche zu Lift ist geschätzt hoch 10 im Vergleich zu den Alpen.
Die Lifte sind alt und langsam, bedeutet weniger Skifahrer pro Std.
Wenn wirklich mal mehr los ist (an den WE), dann stehen die Leute relaxt, werden den Gondeln zugeteilt, dadurch immer voll, bekommen von Serviceleuten die Ski abgenommen und in den Köcher gesteckt, alles easy going.
Es wird nur ein Teil der Pisten präpariert, dadurch bessere Skifahrer und langsameres geländeangepasstes Fahren.
Bier ist so teuer, dass man sich nicht auf der Piste besaufen will :D

Nachteil: Skipässe sehr teuer (bis 150$) und kein Apres wie in Österreich
Das Selbe in den USA. Da geht es entspannt und relaxt zu und her. Viele ältere Leute (die sich den Spass leisten können). Der grösste Teil der Skigebiete wird nicht gepistet. Unendlich viel Platz. Der Schwerpunkt liegt auf dem Fahren im Gelände. Auch auf der Piste hat man alles für sich. Auf steilen Pisten, sind auch am Nachmittag noch kaum Spuren im Schnee. Was mir besonders gefällt ist das liftunterstützte Freeriden. Die Lokals zeigen dir die geilsten Runs. Da bist du dann auch mal 10 Km lang alleine unterwegs. Lawinengefahr ist sehr gering, da die Runs sonst gar nicht fei gegeben werden. Komplette Lawinenausrüstung ist trotzdem Pflicht. Das Allerbeste ist natürlich der traumhafte Schnee. Leicht, leichter, am leichtesten. Einfach nur geil!

Auch Buckelpisten finden sich reichlich. An den Gondeln werden dir die Ski abgenommen und versorgt, alles immer mit einem Lächeln. In den Slowzones halten sich alle an die Temporeduktion. In den Pistenbeizen gibt's Wasser gratis, der Rest ist sehr teuer. Am Abend gibt's Bier bei Burger und Livemusik, aber ohne Ballermannscheisse. Tageskarte in Snowmass 180$. Am Besten bucht man eine Reise über ein spezialisiertes Reisebüro, da hast du auch eine Ansprechperson vor Ort. In der Summe ist der Urlaub nicht so viel teurer wie in den Alpen. Wählt man sich ein Skigebiet wo man ohne Mietauto auskommt, reduziert sich der Preis auch noch etwas. In Snowmass/Aspen ist der ÖV sehr gut ausgebaut. Die meisten Amis kommen mit dem Bus.

In Zeiten von Corona und Klimawandel sind solche Skireisen eigentlich nicht mehr angebracht. Aber als eingefleischter Skifreak wollte ich mir diesen Traum endlich erfüllen und zwar bevor ich zu alt bin. Besonders schön war, dass ich zusammen mit meinem Sohn da war. Eine Erinnerung für's Leben!

MartinFarrent
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Re: Rücksichtsloses Verhalten am Berg

Beitrag von MartinFarrent » 22.03.2020 11:04

anton06 hat geschrieben:
18.03.2020 07:34
Ein Anfänger meinte die schwarze Piste nehmen zu müssen und um runter zu kommen,fuhr er quer über die ganze Piste.
Das sind nicht unbedingt blutige Anfänger, die sowas tun. Bei vielen Leuten habe ich schon beobachtet, dass ihre eigentlich ganz gute Technik bei den ersten Versuchen auf wirklich steilen Pisten plötzlich in den Anfängermodus zurückfällt. Ich glaube, die Angst veranlasst sie instinktiv zu einer Fahrweise, die sie ganz am Anfang als sicherste für sich entdeckt haben (die aber im Steilen oft versagt). Sie machen also einen plötzlichen Rückschritt, der psychologisch erklärbar ist.

Wie man das verhindern kann? Hilft es, ihnen zu sagen, dass sie ruhig ein bisschen mehr Traute aufbringen sollten? Ich schätze nicht. Das Phänomen ist also bei manchen Fahrern zwangsläufig, wenn sie sich erstmals an steile Pisten begeben. Sie brauchen etwas Erfahrung - und dann wird es schon besser. Aber die relevante Erfahrung ergibt sich nicht dadurch, dass sie auf mäßigeren Pisten verharren.

Man sollte vielleicht hinzufügen: Zum richtig guten Fahren gehört auch der gekonnte Umgang mit Fahrern, die noch nicht so gut sind. Für mich klingt die Diagnose 'durch einen Anfänger gefällt' oft ein bisschen suspekt (das ist aber jetzt nicht persönlich an dich gerichtet, @anton06 ). Wenn man von oben kommend in einen 'Anfänger' prallt, dann hat man entweder die eigene Geschwindigkeit (und Linie!) nicht hinreichend unter Kontrolle oder stellt viel zu gewagte Prognosen über das Verhalten des anderen Fahrers an. Meist ist es vermutlich eine Kombination aus beiden Faktoren. Aber das entscheidende Unvermögen liegt hier bei dem Fahrer, der von oben kommt... 'Könner' oder nicht. Abends in der Kneipe schafft es mancher 'Könner' dennoch, sich sogar mit einem Unfall zu profilieren, indem er verächtlich über den Anfänger urteilt. Das ist aber durchschaubare Prahlerei.

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