ab in die höhe

Hier könnt ihr euern persönlichen Ski-BLOG erstellen und uns von euren Erfahrungen oder Lernfortschritten berichten, oder einfach nur ein Tagebuch eurer Skisaison führen!
Eine Anleitung für's Bloggen findet ihr unter Euer Ski-Blog / Ski-Tagebuch ... so geht's!
urs
Beiträge: 2183
Registriert: 05.01.2003 14:15
Vorname: urs
Ski: stöckli
Wohnort: zürich
Kontaktdaten:

ab in die höhe

Beitrag von urs » 01.11.2007 23:03

am freitag hatte ich blaue schultern und hüften. am mangelnden einsatz kann es nicht gelegen haben.

am sonntag vor einer woche fuhr ich mit zwei weiteren skiverrückten aus bern durch den vereina, lud in zernez noch eine weitere sportfanatikerin auf, passierte den ofenpass und den umbrail, um an unser ziel den stelvio zu gelangen. so viele kurven bin ich selten an einem tag gefahren. die berühmten kehren vom stelvio kannte ich nur vom sommer mit dem rad, den gletscher hatte ich dannzumal kaum wahrgenommen.

eine gondel brachte uns auf 3000m.ü.m zu unserem hotel. es war leicht bewölkt und kalt. das hotel war einfach aber sauber, etwas verlassen, nachdem sich die letzten rennteams richtung sölden zum weltcup abgemeldet hatten. es sollte uns recht sein, versprach dies doch weniger betrieb auf den pisten.

wir waren erwartungsvolle teilnehmer eines fünftägigen racing-camps von swiss snowsports – stangen für anfänger :wink:. um haaresbreite wäre der kurs mangels teilnehmerInnen abgesagt worden, mein saisonauftakt einfach so verraucht :evil:. jetzt waren wir doch zu neunt, verschmolzen mit einem weiteren mini-kurs. neben deutsch wurde noch italienisch und französisch geschwatzt.

vom hotel gings mit einer kurzen gondel direkt ins skigebiet. es war immer noch leicht bewölkt, kalt und windig. ausstaffiert wie ein michelin-männchen war es aber auszuhalten. selbst die neuen schuhe hielten der kälte trotz dünnerer innenschuhe einigermassen stand. stangen sahen wir an diesem tag nur von den verbliebenen trainingteams – juniorInnen oder clubs. selber fuhren wir verschiedene grundübungen. die meisten (mich eingeschlossen) machten ihre ersten schneeerfahrungen für diese saison. der schnee war griffig, wenn auch nicht üppig vorhanden. am nachmittag frischte der wind stark auf, und wir waren beinahe die einzigen, die ihm trotzten.

es gibt immer wieder tage, wo ich mich frage, ob skifahren wirklich mein sport ist :roll:. eigentlich hatte am dienstag alles harmlos begonnen. es war etwas wärmer geworden. die ersten übungen mit den ministangen verliefen flott. doch schon bald waren die spuren bis aufs gletschereis ausgefahren. ich eierte vermehrt durch die tore, und die verkrampfung stieg gleichzeitig mit den grossen stangen und der zunehmenden geschwindigkeit. ich war noch nie ein freund von eisigen pisten, und meine diesbezüglich technik weist immer noch potential zur optimierung auf. jetzt witterten aber alle überwunden geglaubten fehler ihre chance und nutzten die situation kaltblütig aus :oops:.

zum glück liess sich der frust im hoteleigenen fitnesskeller und sprudelbad mildern. auch die feine südtiroler küche munterte mich auf. auf der videoanalyse waren die fahrten nicht ganz so katastrophal anzusehen, wie sie sich anfühlten.

der mittwoch verlief ähnlich frustrierend zwischen den stangen. einzig die übungen im griffigen schnee liessen mich etwas zuversicht tanken. am abend dann erhohlung im schwitzbad und in der sauna.

der donnerstag war ganz dem slalom gewidmet. es war kaiserwetter und ich nahm die sache mittlerweile auch entspannter. ich hatte mich etwas ans rumrutschen gewöhnt, mein gleichgewicht verbessert und wieder spass am skifahren gewonnen. auch liessen sich an den slalomstangen weit besser die agressionen ausleben als beim riesentorlauf :D. zusätzlich gabs noch eine videoanalyse vom kurzschwung, welche recht gefällig ausfiel. einzig die angekündigten rennen vom morgigen tag bereiteten mir etwas bauchschmerzen.

eigentlich wies ich den gedanken, dass dies an meinen skies liegen könnte, lange von mir. gut, sie hatten bereits hundert skitage auf dem buckel, aber es schien mir zu einfach, dem material die schuld zu geben. zudem war ein neuer ski nicht im budget vorgesehen. nach mehrmaligen kantenschleifen ohne wahrnehmbare wirkung kamen mir aber leichtere zweifel.

der höhepunkt vom letzten tag fand am mittag statt, als wir ins hotel zurück kehrten. unvermittelt tauchte ein bartgeier auf und kreiste nur knapp zwanzig meter über unseren köpfen. bald wurde er hartnäckig von einer dohle attackiert, und er zog mit halben loopings alle register seiner flugkunst. es war nicht auszumachen, ob es ihn ärgerte oder ob er es als spiel betrachtete.

zu diesem zeitpunkt hatten wir bereits die beiden rennen hinter uns gebracht. ich hatte mir für diesen tag einen testski gegönnt. und siehe da, eis war (fast) kein thema mehr. das stangenfahren machte auf einmal richtig spass. und als ich beim mittagessen die laufzeiten sah, war ich ehrlich überrascht. ich hatte nicht erwartet, so weit vorne im feld zu liegen :-D. immerhin fanden sich auch ausgebildete skilehrer und geübte stangenfahrer in der gruppe. am nachmittag fuhren wir zum ausklang noch eine nette formation.

nach fünf tagen betrachte ich mich als alles andere als einen versierten stangenfahrer. aber es hat spass gemacht, auch wenn ich zwischenzeitlich in die panikzone geriet und eine skifahrerische sinnkrise durchlebte. wenn zeit und geld reichen, werde ich das gerne wiederholen.

gruss urs

Benutzeravatar
extremecarver
Beiträge: 3354
Registriert: 12.01.2005 15:10
Vorname: Felix
Ski: Raxski Snowrider Powderequipment Swoard Wildschnee
Ski-Level: 999
Skitage pro Saison: 30
Wohnort: Wien
Kontaktdaten:

Beitrag von extremecarver » 02.11.2007 00:12

Schöner Bericht. Das mit den alten Skiern ist echt immer so eine Sache.....
Gerade in den Stangen fällt es einem dann auf einmal auf, was ein neuer Ski doch kann. Beim freifahren kann man sich halt immer durchschummeln und schiebt alles auf sich selber.
schnell, riskant, vielseitig bergab
http://openMTBmap.org & www.VeloMap.org

Martina
Beiträge: 4659
Registriert: 11.06.2001 02:00
Vorname: Martina
Ski: Elan
Wohnort: St. Moritz / Regensburg D

Beitrag von Martina » 02.11.2007 13:43

Ich hoffe, ihr habt dort oben nicht nur das gute Essen, sondern auch den Grappa probiert! Kocht immer noch die... hmmm... der Namen will mir nicht einfallen - es ist jedenfalls immer SEHR lecker und sowieso urgemütlich, wenn auch der ganze Stelvio eine sehr skurille Angelegenheit ist.
Ich werde ja immer ganz sentimental, denn dort oben habe ich richtig Skifahren gelernt...

Danke, Urs, für deinen Bericht!

urs
Beiträge: 2183
Registriert: 05.01.2003 14:15
Vorname: urs
Ski: stöckli
Wohnort: zürich
Kontaktdaten:

Beitrag von urs » 02.11.2007 18:25

Martina hat geschrieben:Ich hoffe, ihr habt dort oben nicht nur das gute Essen, sondern auch den Grappa probiert! Kocht immer noch die... hmmm... der Namen will mir nicht einfallen - es ist jedenfalls immer SEHR lecker und sowieso urgemütlich, wenn auch der ganze Stelvio eine sehr skurille Angelegenheit ist.
hallo martina

ich weiss leider nicht, wer uns bekocht hat. das essen war reichhaltig und währschaft. eine italienisch-tirolerische mischung. leider bin ich nicht so der grappa-trinker, hab aber die leckeren weine probiert. die bedienung an der bar ist sehr nett und ich konnte wieder ein bisschen tirolerisch üben.

der gletscher ist in den letzten jahren arg geschmolzen. von der piste muss man jetzt ca. 5 min. zum hotel hoch laufen. karl-heinz, der inhaber, träumt von einem winterskigebiet mit einer gondel / einem lift ab trafoi (1600m.ü.m) und einem weiteren lift richtung umbrail. damit liessen sich, gemäss seiner aussage, schöne pisten erschliessen. irgendwie ist trafoi dagegen, da der besitzer der dortigen kleinen anlagen mit dem bürgermeister zusammenspannt.

gruss urs

Martina
Beiträge: 4659
Registriert: 11.06.2001 02:00
Vorname: Martina
Ski: Elan
Wohnort: St. Moritz / Regensburg D

Beitrag von Martina » 03.11.2007 09:57

urs hat geschrieben:
Martina hat geschrieben:der gletscher ist in den letzten jahren arg geschmolzen. von der piste muss man jetzt ca. 5 min. zum hotel hoch laufen.
gruss urs
Echt? *schauder*
Wir konnten jeweils noch fast hochfahren... und sooo lang ist das auch noch nicht her (so alt bin ich nämlich noch nicht).
Die Überlegungen, Stelvio als Winterskigebiet zueröffnen, bestehen schon lange. Problem waren immer die Zugangsstrassen (... kennst du ja als Velofahrer...). Aber eine Bahn wäre ja eine Option.

urs
Beiträge: 2183
Registriert: 05.01.2003 14:15
Vorname: urs
Ski: stöckli
Wohnort: zürich
Kontaktdaten:

Beitrag von urs » 03.11.2007 17:54

Martina hat geschrieben:Ich werde ja immer ganz sentimental, denn dort oben habe ich richtig Skifahren gelernt...
martina, noch eine zusatzfrage:

was hattest du dann in st. moritz gemacht - etwa rumrutschen :wink:?

gruss urs

Martina
Beiträge: 4659
Registriert: 11.06.2001 02:00
Vorname: Martina
Ski: Elan
Wohnort: St. Moritz / Regensburg D

Beitrag von Martina » 03.11.2007 19:31

Nur rumrutschen, es war aber auch noch Rumrutscher-Zeit (also nicht die des Forumsmitglieds, sondern eher die 80er Jahre). Vorher hat mir ja keiner gesagt, dass es auch die Möglichkeit gibt, ohne rumrutschen Ski zu fahren!

urs
Beiträge: 2183
Registriert: 05.01.2003 14:15
Vorname: urs
Ski: stöckli
Wohnort: zürich
Kontaktdaten:

Beitrag von urs » 04.11.2007 22:29


urs
Beiträge: 2183
Registriert: 05.01.2003 14:15
Vorname: urs
Ski: stöckli
Wohnort: zürich
Kontaktdaten:

Beitrag von urs » 18.11.2007 21:05

heute konnten wir den verlockenden schneebergen nicht widerstehen. nachdem aber die nachrichten dauernd davon schwärmten, wie toll es da im moment wäre, waren wir erwartungsgemäss nicht allein mit dieser idee. es ging nach flims-laax. nicht dass dies mein lieblingsgebiet ist, es stecken logistische gründe dahinter. erstens ist es relativ gut mit oev zu erreichen und zweitens bekomme ich meine saison-karte nur dort.

um 6.15h auf den bus, im zug dann gemütlich mein buch über einen jungen in kabul der 70-er gelesen, als afghanistan noch nicht das opfer eines immerwährenden (bürger)kriegs war. er genoss den verschneiten winter und fieberte auf den drachenwettkampf. im bus nach flims war das gedränge schon grösser und an der kasse wurden wegen dem andrang nur tageskarten ausgegeben, die man am abend dann umtauschen konnte. die bündner berge haben im november wohl noch nie so viele skifahrerInnen erlebt. das erste anstehen dauerte gut 20 minuten, danach noch ein paar mal 10 minuten bis man am nachmittag kaum mehr warten musste. und da doch einige pisten geöffnet waren, hat es sich einigermassen verteilt.

leider war im zug die heizung ausgestiegen, so dass meine frau bereits durchfrohren startete. deshalb gab's eine aufwärmrunde im grap san gion mit heisser schokolade und grüntee. danach zwei kurze abfahrten zur einstimmung auf einer blauen piste mit wenig leuten. auf der ersten längeren abfahrt war die piste propenvoll und vereinzelt tauchten "geier-sturzflug-in-rücklage-fahrer" auf, so dass wir uns in eine andere richtung (nagens) verzogen.

nach dem rutsch-"debakel" im race camp "musste" ich mir wohl oder übel neues material zulegen. ich tendierte auf den nachfolger meines laser sl, da ich mit diesem doch sehr zufrieden war. da es um das thema eisgriffigkeit ging, wollte ich wissen, wie denn die differenz zum neuen fis-modell (mit den identischen massen) wäre. diese wären durch eine zusätzliche fiberglass-lage im obergurt (verwindungs)-steifer. als ich ihm meine problematik schilderte und versuchte, mein fahrkönnen so objektiv wie möglich zu veranschaulichen (in der hoffnung, dass mir meine männlichen hormone keinen streich spielen), meinte der verkäufer, da hätten schon weit weniger versierte fahrer den ski gekauft. ich warf dazwischen, dass ich damit nicht posen sondern eigentlich gerne skifahren möchte. ich solle es einfach mal probieren, notfalls könnte ich ihn umtauschen. er suchte mir dann ein etwas "weicheres" modell aus.

als ich gestern den ski abholte, beschlichen mich beim nachträglichen "shop-flexen" doch leise zweifel, ob mich da nicht der übermut geritten hätte. aber ich hatte ja die umtausch-garantie. die schneebedingungen heute waren beinahe perfekt, auch wenn hier nicht meterweise schnee gefallen ist. es gab einige härtere, ausgefahrene kunstschnee-stellen. bereits beim einfahren bemerkte ich, dass der ski einen schönen zug auf der kante entwickelte und man ihn stark aufkanten musste, um nicht zu schnell zu werden. auf den harten stellen hielt er unheimlich gut und flösste mir viel vertrauen ein. beim kurzschwingen musste man ihn nur kurz aufkanten. gleichzeitig verlangte er eine präzise fahrweise, damit die schwünge nicht abgehackt wurden. im weicheren schnee bestrafte er dafür meine tendenz zu übermässiger vorlage, indem er sich ein paar mal regelrecht reinbiss - freeride-eignungs-prüfung nicht bestanden :D. mein tagesfazit lautet, dass das teil absolut mit spass fahrbar ist, aber doch einiges an konzentration und präzision verlangt. aber da er nach einer saison eh wieder halb durchgenudelt ist, passt's scho :wink: - ausser martina schimpft beim nächsten treffen mit mir, weil ich dermassen bockig auf dem teil stehe :oops: (es geht nichts über ein unbestechliches auge, auch wenn man's manchmal nicht hören will).

gruss urs

Benutzeravatar
SkiGirlForLife
Beiträge: 1138
Registriert: 10.04.2006 15:09
Vorname: Antje
Ski: Edelwiser Swing
Wohnort: Bournemouth, England

Beitrag von SkiGirlForLife » 18.11.2007 22:02

das hört sich doch nach einem gelungenen tag an! und herzlichen glückwunsch zum neuen ski :-D

ach ja, der kleine drachenläufer hat mir auch sehr gut gefallen :zs:
Viele Grüße,
Antje
~-~
I have been edelwisered with Edelwiser Swing *Schwung Fu* :-D

Antworten