Es herrsche Diskord

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Moorkuh
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Re: Es herrsche Diskord

Beitrag von Moorkuh » 18.11.2008 15:39

Ich schreibe dir einen langen Brief, weil ich keine Zeit habe, einen kurzen zu schreiben. (Angeblich hat Goethe das einmal geschrieben ;) )

Martin

karntnerbua
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Re: Es herrsche Diskord

Beitrag von karntnerbua » 18.11.2008 22:37

Martina hat geschrieben:Manchmal ist gedriftet durchaus schneller. Die Linie spielt da natürlich hinein.
Siehe - wie Urs schon geschrieben hat - das CH-Team in den 90ern, das zu stark auf Kantenfahren gesetzt hatte.

--------------------

Ich kanns mit nicht verkneifen:
tpo, da hast du ein paar Steinzeitweisheiten von dir gegeben!
Das ist nicht Steinzeit, sondern Tatsache: Driften ist nur eine Notlösung und im mer mit Geschwindigkeitsverlust verbunden. Das ist schon rein physikalisch so ...
Außerdem: wer im Weltcup driftet noch, wenn er nicht unbedingt muss?

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Re: Es herrsche Diskord

Beitrag von karntnerbua » 18.11.2008 22:53

nicola hat geschrieben:
urs hat geschrieben:Da seh ich, als laie, keinen widerspruch - das rennen besteht nun mal aus äpfeln und birnen. Die Frage ist, wovon ich mehr esse.
das thema hat sich erweitert. es geht nicht nur um richtungsänderung und gleiten, sondern um das beschleuingen. das wird mehr und mehr ein entscheidender faktor am weg zur bestzeit.
Ersteres stimme ich zu.

Zweiteres (Beschleunigen) bin ich nicht ganz deiner Meinung, am schnellsten ist der, der am wenigsten bremst ... es geht darum den Schwung so zu ziehen, dass möglichst wenig Bewegungsenergie durch Rutschkräfte seitlich verloren geht.

Martina
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Re: Es herrsche Diskord

Beitrag von Martina » 19.11.2008 09:06

karntnerbua hat geschrieben: Das ist nicht Steinzeit, sondern Tatsache: Driften ist nur eine Notlösung und im mer mit Geschwindigkeitsverlust verbunden.
Ich habe nicht das gemeint, sondern das,was tpo von sich gegeben hat (Rennfahrer belasten den Aussenski und brauchen den Innenski nur beim Kurvenausgagen etc.).

Ich glaube, ich habe eine missverständliche Phase...

karntnerbua
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Re: Es herrsche Diskord

Beitrag von karntnerbua » 19.11.2008 12:14

da habe ich doch glatt was missverstanden .... :-D

dann hast du mit Steinzeit im Prinzip recht, wobei ich vermute das tpo gemeint hat "stärker den Aussenschi" oder ähnliches

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Re: Es herrsche Diskord

Beitrag von lynne » 19.11.2008 13:45

Zweiteres (Beschleunigen) bin ich nicht ganz deiner Meinung, am schnellsten ist der, der am wenigsten bremst
;-) Nicola hat da schon recht. Wenig bremsen können die alle, die Kunst ist, wenn möglich zu beschleunigen. Dazu fallen mir persönlich auf die schnelle zwei Möglichkeiten ein:
- Nutzung der Hangabtriebskraft. Also blitzschnell in die Falllinie rein und dann schön im Bogen rum. In der Mathematik kennt man dies glaub ich als Brachystochronen – Problem. Grad runter gehts einfach am schnellsten.
- Aktive Beschleunigung - des geht wie auf ner Schiffschaukel *g* Muss aber sehr gut getimed werden und ist unglaublich anstrengend.
Wenn ich in einem vorgegebenen Lauf versuche, so viel wie möglich zu carven, bin ich (meist) langsamer, als wenn ich mehr driften in Kauf nehme, da die möglichst gecarvte Linie oft deutlich ungünstiger ist als eine mehr gedriftete
@Martina: Nur wenn du dieses Driften möglichst ohne große Reibung hinbekommst. Also einen Schwung andriften um schnell in die Falllinie zu kommen okay, aber dann bitte kein driften mehr, weil höhere Reibung.

Das mit langsamen Schweizern auf der Kante kommt wohl daher, dass sie die Kurve zu eng gemacht haben und dann eben eine Schrägfahrt eingelegt haben. Da kommt wieder dieses Brachi Dingsbums. Eine schrägfahrt ist langsamer als eine schöne Kurve.

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Re: Es herrsche Diskord

Beitrag von Martina » 19.11.2008 15:22

@kartnerbua:
hier das Originalzitat, das ich gemeint habe:
tpo hat geschrieben:WC Racer belasten den Außenski und beziehen den Innenski erst zunehmend beim Kurvenausgang mit ein (was eigentlich klar sein sollte, da dieser der neue Außenski wird) - aha, ganz ehrlich, wie soll ich denn sonst eine scharfe Kurve ziehen, wenn nicht durch einen entlasteten Innenski und Kraftübertragung auf das fast durchgestreckte Aussenbein?
@lynne
Ich glaube, die waren ganz einfach zu langsam, weil sie im Dienste der geschnittenen Kurve zu weite Wege gefahren sind.

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Re: Es herrsche Diskord

Beitrag von nicola » 19.11.2008 19:11

lynne hat geschrieben:Eine schrägfahrt ist langsamer als eine schöne Kurve.
:-D wie sagte schon vor etlichen jährchen ski prof twardokens - longer line = shorter time! http://www.psia.org/psia_2002/education ... cloids.asp
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Re: Es herrsche Diskord

Beitrag von urs » 19.11.2008 23:47

hallo nicola

Von wegen Äpfeln & Birnen ;-): die Studie stammt von 1988 (mit 2m Skiern!) und befasst sich mit einem spezifischen physikalischen Phänomen, d.h. sie kümmert sich explizit nicht um Fragen der Reibung. Hier geht's m.e. um die Frage, ob Kantenfahren insgesamt mehr Reibungsverluste beschert als zwischenzeitliches kurzes Driften und dafür längeres Verweilen auf der Belagsfläche. Ist sicherlich zu sehr situativ, als dass die Frage schlüssig beantwortet werden könnte. Vielleicht können uns hier die Physiker weiterhelfen :roll:?

gruss urs

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Re: Es herrsche Diskord

Beitrag von Moorkuh » 20.11.2008 09:20

Der Artikel ist ganz nett, beinhaltet aber keine Details. :(
Wenn ich Zeit hab, werde ich mir die Sache einmal selbst überlegen. Für mich ist klar, dass Driften Zeit sparen kann, obwohl es sicher zu höherer Reibung führt als reines Carven. Überhaupt muß man 4 Fahrzustände unterscheiden, was hier im thread nie klar gemacht wurde und die ich jetzt so benennen werde (geordnet nach geschätzter Reibung):
* Gleiten (entlang der Richtung der flach aufgelegten Ski)
* Carven (Ski nicht flach aufgelegt, Bewegungsrichtung entlang der Ski)
* Driften (Ski flach aufgelegt, Bewegungsrichtung nicht ident mit Ausrichtung der Ski)
* Rutschen (Ski nicht flach aufgelegt, Bewegungsrichtung nicht ident mit Ausrichtung der Ski)

Martin

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