Der Fahrer und der Ski: wer überfordert wen?

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ivan
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Beitrag von ivan » 06.01.2005 19:50

hans hat geschrieben:... auf dem vorne, knapp hinter der Schaufel diese 10 cm hohen Trapeze aus Plastik aufgeklebt waren, die man früher Anfängern verpasst hat, damit sich die Ski nicht überkreuzen.
da muss ich - völlig off-topic, sorry, hoffentlich wird kein thread-hijack draus, und die parablacks haben wir auch schon diskutieert - einwenden:
nicht nur für anfänger
es gab sie auch für rennläufer,
auch die klappbare leichtere version

reiner - gast

wer überfordert wen

Beitrag von reiner - gast » 06.01.2005 19:50

eure erfahrungen (skischulen!), kommentare...
praktische empfehlungen...
Ich bin seit ca 10 jahren anfänger :) und habe das skifahren, soweit ich das bis jetzt kann von meiner frau gelernt, die seit ihrem 6ten jahr auf so dingern steht - "schatz, bleib hinter mir und schau mir auf den popo." "2 wochen lang?2 "ja." "gerne."
habe mit 190'ern "pommeslatten" angefangen - den terminus habe ich hier gelernt, sehr hübsch - dann über Kästle 180'er COSR carver von ca. 1998/99
auf Rossignol 9S (2004/05) in 164.

Zwischen den Kästle (hervorragender ski zum donnern, btw.) und den rossignol habe ich einen tag lang die 170er head cyber slalom worldcup meines sohnes fahren dürfen.

zwischendurch bin ich mal bei einer firmenveranstaltung - hallenskihalle in holland, 2 stunden auf leih"dingern" und in leih"schuhen", ja, dinger und schuhe in anführungszeichen, gefahren.

es gibt unterschiede, und zwar schmerzhaft erfahrbare.

als echter anfänger weisst du einfach nicht, wie, warum wieso etc.
ein absoluter billigski ist hier fehl am platze, weil er dem fahrer nix "beibringt". man merkt es zwar nicht, oder weiss zumindest nicht den grund im schlechten material zu finden, aber er behindert das lernen.
das zeigt mir meine leihdingens erfahrung, da wird halt weicher schrott vermietet.

als mittlerer anfänger (das war die zeit mit dem kästle) hast du schon was von guten ski, du fällst zwar manchmal auf die nase, aber du merkst auch, warum (eigene grenzen, fehlende technik).

dann steigst du auf einen knallharten, nichts, aber auch gar nichts verzeihenden racecarver, und der produziert aus dem nichts (eigentlich hatte ich "nur" etwas zuwenig druck) eine blutgrätsche, daß du glaubst, dich hats bis zum bauchnabel von unten her gespalten.
also, auch um dem junior nicht die heissgeliebten latten zu zersägen, in den skiladen, und was eigenes gekauft. "rossignol", meine frau schwört drauf, der verkäufer hat sie mir heiss empfohlen - danke, Sam -
und siehe, sie sind rasant, aber verzeihen etwas mehr. gut, nach 2 tagen merke ich, dass die rossis allein es immer noch nicht bringen, immer das alte vorlage-problem: alle 3 kurven ein schrei von hinten"willst du dich jetzt hinsetzen, wie eine topfpalme rumstehen, oder endlich mal in die VORLAGE gehen?"

Zurück zu Sam, neue Schuhe, die eine vorlage ermöglichen, nicht verhindern, und man hat das gefühl, eeeeendlich etwas skifahren zu können.
sorry, dasses so lang geworden ist, aber Ivan hat nach erfahrungen gefragt :-)

mein fazit: es kann halt dauern, mit der verbesserung der ausrüstung - ski, schuhe vor allem - macht man sich das leben leichter.
ich bin sicher nicht der fahrer, der den 9s ausreizt, aber er tut mir auch nicht weh - der muskelfaserriss letztes jahr war mein problem -
und ein bisschen fährt auch das ego mit.

ich glaube nicht, dass ein ski, der höheren ansprüchen genügt als der fahrer, schaden anrichten kann, dagegen versaut ein zu einfacher ski wenigstens den spass und eventuell sogar die technik.
und das wichtigste sind die schuhe, da kann man gar nicht sorgfältig und kritisch/selbstkritisch genug sein.

meine empfehlung:

150 % des verfügbaren geldes in die schuhe,
90 bis 120 % in die ski,
und den rest in warme und dichte klamotten.
nicht zu vergessen, alle vermögenswerte auf den/die lehrer/in ;-))

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golden gaba
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Beitrag von golden gaba » 06.01.2005 19:53

fuchs755 hat geschrieben: Ein Anfänger auf einem Rennski ist dagegen verloren.
nein ist er nicht. weil er das was der ski wirklich kann nie herausfinden wird. er rutscht mit dem teil einfach rum wie immer.
bestes beispiel meine frau. die rutscht ganz nett rum fahrt nicht besonders schnell ist aber von aneinander gereihten geschnitten schwüngen noch ganz schön entfernt. ihr kommentar zu einem 9s...uii der hält aber gut auf eis...
dh. sie braucht so einen ski definitiv nicht...freut sich aber wenn sie ihn fahren kann, weil sie meist weniger kraft braucht (bei ihrer fahrweise)
gruss
tom
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TARGET: High Performance Big Mountain Twin
DIMENSION: 128 / 95 / 118
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FEATURES: Twin Tip, ABS Sidewalls, 3-color Die-cut Base, Tip and Tail Pyramid Studs

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eNGinE
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Beitrag von eNGinE » 06.01.2005 20:56

reiner - gast hat geschrieben:150 % des verfügbaren geldes in die schuhe,
90 bis 120 % in die ski,
und den rest in warme und dichte klamotten.
nicht zu vergessen, alle vermögenswerte auf den/die lehrer/in )
... koennte von mir sein :D :roll:

@Reiner: Guter Beitrag! Gerne mehr davon :wink:
Bye,
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urs
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Re: wer überfordert wen

Beitrag von urs » 06.01.2005 21:36

reiner - gast hat geschrieben:...alle 3 kurven ein schrei von hinten"willst du dich jetzt hinsetzen, wie eine topfpalme rumstehen, oder endlich mal in die VORLAGE gehen?"
salü reiner

vielleicht investierst du mal in eineN feinfühligeN skilehrerIn :wink:.
reiner - gast hat geschrieben: 150 % des verfügbaren geldes in die schuhe,
90 bis 120 % in die ski,
und den rest in warme und dichte klamotten.
nicht zu vergessen, alle vermögenswerte auf den/die lehrer/in ;-))
die wundersame geldvermehrung. bin hochgradig interessiert, wie du es schaffst, ca. 300% deines geldes auszugeben :D. trotzdem danke für den unterhaltsamen beitrag.
eNGinE hat geschrieben:
reiner - gast hat geschrieben:150 % des verfügbaren geldes in die schuhe...
... koennte von mir sein :D :roll:
salü engine

deshalb experimentierst du auch, ob sich mit tiefgekühlten skischuhen mehr druck entwickeln läst :wink: :D :wink:?

gruss urs

Gast

Beitrag von Gast » 06.01.2005 21:36

Einfach ein Erfahrungsbericht.
Habe vor drei Jahren mit 51 das Skifahren bei einem guten Freund gelernt. (Ist geprüfter DSV Skilehrer, war ein kostenloser Privatkurs ..g*) Hab mit Big Foot (lernt man was Rücklage ist) angefangen und dann Kurzski.
Wollte mir dann Allrounder in der mittleren bis oberen Preisklasse kaufen. Habe mich aber von ihm zu Slalomcarvern überreden lassen. - Elan HCX Länge 160 - Ist ja der allgemeine Trend im Forum, relativ kurz und stark tailliert.
Fahre noch die klassische Technik, gibt aber irgendwann mal einen Carvingkurs.
Die Ski sind schon top, bestrafen aber auch gnadenlos alle Fehler. Man lernt natürlich daraus, wird aber auch unsicher und damit nehmen Fehler wieder zu. Man fährt am Anfang auch mit viel Kraft, da einfach die absolute Technik noch fehlt.
Habe jetzt im November im Piz verschiedene Allrounder ausprobiert. Wollte einfach mal einen Ski der auch Nachmittags auf verspurter und mit Schneehaufen bestückter Piste noch einfach zu fahren ist. Habe auch einen im oberen Preissegment gefunden der passt.
Habe jetzt in dieser Saison auf dem Gletscher und im Allgäu mit diesen Skiern über 20 Skitage hinter mir. Brauche deutlich weniger Kraft und bin sicherer unterwegs. Als Effekt hat sich auch die Technik verbessert, da ich mir einfach mehr zutraue.
Gehe jetzt auch locker eine rote Piste runter, hab auch nachmittags um drei noch die Kraft eine versaute Piste runterzufahren.
Nehme mir jetzt dann im Skiurlaub mal einige Privatstunden um an der Technik zu feilen.
Fazit:
Die HCX waren am Anfang einfach eine Klasse zu hoch für mich. Mit guten Allroundern wäre ich in der Entwicklung sicher weiter.
Wenns mir zu wohl wird schnalle ich auch mal die HCX unter die Schuhe, aber mit den SX machts einfach mehr Spass. Sieht mit einem Carvingkurs dann vielleicht wieder anders aus.
Als Anfänger bis Fortgeschrittener wird man denke ich vom Material überfordert wenn man eine Nummer zu hoch greift.
Einen Führerscheinneuling sollte man auch nicht gleich in einen Porsche setzen.

Morgen früh um fünf Uhr früh gehts ab für eine Woche ab nach Obereggen in Skiurlaub. Nehme natürlich beide mit. Man braucht ja schließlich eine Herausforderung.

Rudolf

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eNGinE
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Beitrag von eNGinE » 06.01.2005 21:51

urs hat geschrieben:deshalb experimentierst du auch, ob sich mit tiefgekühlten skischuhen mehr druck entwickeln läst?
Genau... und du glaubst nicht WIEVIEL Druck das gibt!... (nur irgendwie hatte ich mir das anders vorgestellt :oops: )

(... nein ich musste nur lachen als ich den Beitrag von Reiner gelesen habe, weil ich dieses Jahr auch viel mehr Geld fuer Ski Equipment ausgegeben habe, als ich eigentlich vor hatte :lol: Daher mein Comment)
Bye,
[eNGinE]

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Beitrag von urs » 06.01.2005 22:00

Gast hat geschrieben:Fahre noch die klassische Technik, gibt aber irgendwann mal einen Carvingkurs. Die Ski sind schon top, bestrafen aber auch gnadenlos alle Fehler. Man lernt natürlich daraus, wird aber auch unsicher und damit nehmen Fehler wieder zu. Man fährt am Anfang auch mit viel Kraft, da einfach die absolute Technik noch fehlt.
salü rudolf

was verstehst du unter klassischer technik? es erstaunt mich schon ein wenig, dass diese dir vor drei jahren noch beigebracht wurde.

dein beispiel zeigt aber schön, dass weniger das können als vielmehr die technik (neben den körperproportionen) entscheidet, welcher ski für mich geeignet ist. (ich bin mir bewusst, dass zwischen können und technik ein enger zusammenhang besteht). der hcx gilt als sl-performance-carver. im camp sind relative anfängerInnen mit moderner technik (nicht carven) mit dessen nachfolger gut zurecht gekommen. letzte woche sah ich gute skifahrerInnen in klassisch geschlossener fahrweise mit pommes-ski. für die wären derart stark taillierte skies der reine horror.

allgemein hatte ich im camp den eindruck, dass eher leute mit zu schlechtem material schnell an ihre grenzen kamen. mit besserem material (meist sl-carver/edelwiser) fuhren sie sichtbar besser. es gibt sicher gerade bei den männern viele, die im regal eine stufe zu hoch greifen. aber es sind wohl nicht minder viele, die mit zu billigem material unterwegs sind. ist bei den preisen auch nicht verwunderlich.

gruss urs

ps: heute hatte ich einen zai in der hand. ist wunderschöne handwerkskunst, erinnert mich aber mehr an eine möbelausstellung als an ein sportgeschäft.

reiner - gast

feinfühlig

Beitrag von reiner - gast » 06.01.2005 22:23

vielleicht investierst du mal in eineN feinfühligeN skilehrerIn
salü Urs.
immerhin habe ich die Dame gehahahairatet ( das mit ihrer skibegeisterung habe ich natürlich erst später erfahren) :-)

wir kommen hier jetzt zum threat-hijacking, neues thema:
kann man sich vom ehepartner / kann der ehepartner einem das skifahren beibringen...

in ausnahmefällen: ja, meistens eher nicht.

wir haben uns auch schon mal einen tag lang einen lehrer (Hallo Robert in Gerlos) geteilt. der durfte endlich mal die sau rauslassen.

"was machen wir mit deinem mann?" "der soll sehen, dass er nachkommt."


bin hochgradig interessiert, wie du es schaffst, ca. 300% deines geldes auszugeben...
ich auch. wenn du es rauskriegst, lass es mich wissen.

ernsthaft, habe einfach nach 10 oder 12 jahren gemerkt, wie die wertigkeit (für mich) ist.
1. schuhe
2. ski
3. alles andere
4. ohne lehrer (innen/aussen) ist das alles nix wert.

ski-, oder schuhmarken sind wahrscheinlich zweitrangig.
(wobei man je nach füssen glück oder probleme hat).

radius, race, all-mountain, Sl, superduper und bedruckung der skioberfläche sind eine frage des persönlichen stils, der vorlieben, des drangs nach aufsehen und auch des verfügbaren geldes.

ernsthaft zum zweiten: es kann länger dauern, als man denkt. ich will damit nicht eine eselhafte fatalistische hoffnung auf ein besseres betonen, sondern hervorheben, dass man, selbst wenn die schuhe passen, mal andere probieren sollte, selbst wenn der ski super ist, mal einen anderen probiern sollte, selbst, wenn man glaubt, schon fahren zu können, noch mal und noch mal und nochmal unterricht nehmen sollte.
kein lehrer kann einem alles ideal beibringen, aber die meisten lehrer können einem das ein oder andere beibringen.
und den rest lernt man dann später.

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ivan
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Beitrag von ivan » 06.01.2005 22:28

hallo zusammen, und dank an alle autoren
wenn ich mich den selbsternannten moderator dieses threads nennen darf, freut es mich wirklich enorm, dass so viele beiträge gekommen sind
darunter auch überdurchschnittliche literarische schmuckstücke :D

zum thema:
ZIT: „Nach wie vor wird insgesamt meiner Meinung nach zu viel Wirbel um das Material gemacht.“
ja, aber IMO ist material so wichtig, dass etwas „wirbel“ gerechtfertigt ist
aber, richtig:
- der ski selbst ist nicht der sünder
- der ski ist kein wildes pferd, das gleich einen unerfahrenen reiter erkennt und bestraft

1. die neuen ski aus den letzten 2 jahren sind – okay, vielleicht mit der ausnahme von einigen WC-ski einiger echten WC-fahrer – nicht so steif, so dass sie einem fahrer unter dem WC-niveau eine seinem technischen können entsprechende fahrt ermöglichen

2. aber als carving-lerngerät sind evtl. nur stark taillierte SL-ski geeignet

3. ski mit grossen radien sind dafür ausgesprochen ungeeignet, doch mit klassischer technik relativ gut zu beherrschen

4. behauptung:
ein belagsseitig plangeschliffener recreational-ski wird in der kurve schwieriger zu handhaben sein als ein mit 1° abgehängter racestock-ski

5. ich stimme dadurch GG zu (wie eigentlich immer, nicht war, Tom?)
zwei erfahrungen:
a) der echte Fischer SL WC eines WC/EC fahrers – absolut harmonisch und leicht zu fahren, ein „ski für die oma“
b) ich habe im April für einen magazin-„test“ einen leistungsfähigen SL-ski vorbereitet und getuned (platte, bindung, struktur, schliff), so dass er auch für zwar erfahrene, aber nicht immer echt sportliche fahrer abgestimmt wäre
der ski war – trotz des marken-handicaps (Sporten) unter den besten drei und für die meisten ein schock, dass er sowohl die rasanten männer als auch gemütliche frauen ansprechen konnte
das geheimnis = 1. tuning, 2. SL-ski
(kein selbstlob – einfach ein konkretes und belegtes beispiel)

(vorsicht: wird fortgesetzt – nächstes mal endlich über die fahrer)

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