Skiqualität - "Chinaschrott"?

Fragen zu Skiern allgemein.
Fragen zu Modellen bestimmter Hersteller, bitte weiter unten in den jeweiligen Hersteller-Foren.
Kauf & Verkauf von Ski und Equipment (nur privat) siehe Forum SKIBÖRSE
Benutzeravatar
NeusserGletscher
Beiträge: 2034
Registriert: 30.01.2008 15:59
Vorname: Peter
Ski: ein paar zu viel
Ski-Level: 042
Skitage pro Saison: 20
Wohnort: Dorf an einem Bach

Re: Neuer/erster Slalomski

Beitrag von NeusserGletscher » 20.11.2018 07:40

Es geht ja nicht nur um 20.000 HM / Tag. Manche Ski sind ab Werk so schlecht, die kann man überhaupt nicht vernünftig präparieren. Die sind so verzogen, da müsste man fast schon den gesamten Belag runterschleifen um sie plan zu bekommen. Bei Qualität geht es auch aber nicht nur alleine um die Auswahl der Materialien, sondern und vor allem auch um die fachlich korrekte Verarbeitung durch qualifiziertes Personal. Doch warum verlagern Hersteller ihre Produktion ins Ausland? Weil sie dort qualifiziertes Personal finden oder wegen der niedrigen Lohnkosten, laxen Umweltauflagen und fehlender Sozialstrukturen wie -versicherungen und Gewerkschaften? Als Kunde merkt man erst leider nach dem Kauf, was da einem angedreht wurde. Mal geht es gut, mal nicht. Oft sogar bei dem selben Modell aus unterschiedlichen Produktionszeiträumen, weil die Qualität selbst auch noch auf einer Produktionslinie schwankt. Ich hatte mal beruflich am Rande damit zu tun, der hauptverantwortliche Kollege war mehrmals am Rande eines Nervenzusammenbruchs. Da hat man eine eingespielte Produktion unterm gleichen Konzerndach und dann wird aus Kostengründen irgendwo in der Pampa produziert und wundert sich dann, weshalb die Qualität nicht stimmt.
Was man selbst erledigt können andere nicht verkehrt machen.

Benutzeravatar
gebi1
Beiträge: 1676
Registriert: 13.03.2011 22:03
Vorname: Martin
Ski: Faction CT 4.0, Faction Prodigy 4.0

Re: Neuer/erster Slalomski

Beitrag von gebi1 » 20.11.2018 08:54

Nun driftet die Diskussion ab. Eine Frage trotzdem an Felix und Peter. Ihr müsst pro Saison ja unmassen von Ski kaufen, dass ihr eure Aussagen belegen könnt. Oder arbeitet ihr in einem Skishop?

Ich habe in den vergangen 8 Jahren 14 Ski von K2/Völkl/Line gekauft darunter 2 Kinderski. Alle waren top. 9 sind noch in gebrauch. 3 habe ich weiterverkauft.

Qualitativ habe ich keine Unterschiede zu anderen Marken festgestellt die ich selben Zeitraum gekauft habe (Head, Atomic, Faction, Black Crows). Rein optisch war der Faction CT 2.0 am besten verarbeitet. Schade, habe ich den verkauft :(

Als ex Triathlet hatte ich einige RR resp. Tribikes. Fast alle Hersteller lassen ihre Carbonrahmen in China fertigen. Die Chinesen bauen sicher keinen Schrott, sondern beste Qualität.

latemar
Beiträge: 3272
Registriert: 15.12.2010 10:04

Re: Neuer/erster Slalomski

Beitrag von latemar » 20.11.2018 10:12

Wir kaufen höchsten einen Ski pro Saison (bei 3 Personen).
Gewisse Unterschiede haben wir schon festgestellt. Man muss sich aber auch klar machen, dass es bei 10 Skitagen pro Saison (mehr werden die meisten nicht haben) vollkommen egal ist.
- Nordica Ski hatten zeitweise extrem wenig Kante und waren schlampig verarbeitet.
- Blizzard war auch schlecht verarbeitet, Schrauben lösten sich permanent.
- Elan ski sind tip top
- Black Thunder ist eine Klasse für sich. Der hält und hält und hält. Da macht sich der hohe Preis bemerkbar und er ist es wert.

Mit Bindungen haben wir teils eher schlechte Erfahrungen gemacht.
- bei Vist gehen regelmäßig Schrauben verloren, die zu ersetzen ist ein Drama (und das bei einer Bindung, die wohl an die 300,- kostet)
- Marker Bindungen auf Blizzard Ski waren zeitweise eine Zumutung. So miserabel verarbeitet, dass die Funktion darunter gelitten hat.

Eigentlich wäre das ein extra Thema wert.


Gruß!
der Joe

Benutzeravatar
extremecarver
Beiträge: 3512
Registriert: 12.01.2005 15:10
Vorname: Felix
Ski: Raxski Snowrider Powderequipment Swoard Wildschnee
Ski-Level: 999
Skitage pro Saison: 30
Wohnort: Wien
Kontaktdaten:

Re: Neuer/erster Slalomski

Beitrag von extremecarver » 20.11.2018 16:58

Halt früher auf der Rax wussten wir so ziemlich was die anderen fahren, waren ja nur sehr wenige Leute. Dazu Familie. Aber die Verarbeitung an sich kann man auch einfach von außen ohne fahren recht gut erkennen.

Das meiste grad im Freeridebereich hängt natürlich vom Gewicht ab - bei Leichtbau ist halt nach 10-20 Tagen oft Schluss wenn man viel in felsigeren/steinigeren Gebieten unterwegs ist. Auf der Rax hat bei mir eigentlich nie ein Board länger als 20 Tage vor der Totalzertörung mitgemacht - ich hab da allerdings meist gebrauchte Bretter gefahren - weils sonst zu schade gewesen wäre.

Und ein Freund von mir hat selber mal Boards hergestellt - so 10-15 Stück pro Saison nach Motto Preis eher egal. Die Preise je nach Materialqualität sind schon ziemlich unterschiedlich (und ja - die großen werden viel weniger zahlen, aber der Unterschied wird genauso da sein). Irgendein Alu statt Titanal, oder halt verschiede Qualitäten bei den Glasfaserlagen, bzw bei Carbon wirds dann eh super kompliziert. Belag und Kante sind am einfachsten - da hat man nicht viel Auswahl an Quellen. Und die großen sparen da doch ziemlich eindeutig wo immer es geht.

Beim Milan Lustinec (Lusti) - war ich dazu sicher 5-6 mal in der Fabrik. Der hat auch recht viel OEM im oberem Preisbereich hergestellt - un da wurde oft deutlich günstiger vom Material angefragt als er selber bei seinen Ski verbaut hat (aber halt noch teurer als dass man zu Sporten gehen würde welche im unteren Preisbereich viel abdecken als OEM). Elan etwa hatte gerade die lezten Jahre in Kärnten eine super Qualität - aber damit kamen sie ja nicht durch - hat sich nicht rentiert. In Slowenien wird halt alles von eher günstig bis teuer hergestellt (aber ganz günstige Ski kaufen eh fast alle nur noch OEM dazu). Dazu war ich 2mal bei Choc in Tschechien (weiß nicht obs die noch gibt - für mich kein gutes Beispiel wie eine kleine Manufaktur aussehen sollte) - und einmal bei Nobile in Polen (auch sehr fein - auch viel OEM im oberen Bereich).

Die Carbonrahmen für höherwertige Fahrräder kommen aber fast alle nicht aus Mainland China, sondern Taiwan. Inzwischen gibt es auch recht viele - aber eher kleine Hersteller in Mainland - die Qualität ist da meist aber eher auf alibaba und Co. Verkäufe ausgelegt. Bei einfacheren Produkten wie Felgen oder Lenkern - übernimmt aber Mainland immer mehr die Produktion auch bei Brands.
schnell, riskant, vielseitig bergab
http://openMTBmap.org & www.VeloMap.org

Benutzeravatar
NeusserGletscher
Beiträge: 2034
Registriert: 30.01.2008 15:59
Vorname: Peter
Ski: ein paar zu viel
Ski-Level: 042
Skitage pro Saison: 20
Wohnort: Dorf an einem Bach

Re: Neuer/erster Slalomski

Beitrag von NeusserGletscher » 20.11.2018 21:21

Da ich oft beim Schleifen meiner Ski vor Ort bin sehe ich halt, was da noch so herum steht. Serviceleute zeigen gerne ihre besonderen "Schätze", an denen sie viel Freude haben. Abgesehen davon habe ich eine ausgesprochene Aversion gegen Murks und bin daher im Laufe der Zeit dafür sensibilisiert worden. Wenn irgendwo was nicht stimmt, fällt es mir eher auf als anderen. Ist halt eine Form von Berufskrankheit. :D
Was man selbst erledigt können andere nicht verkehrt machen.

Benutzeravatar
maestro70
Beiträge: 800
Registriert: 25.10.2010 13:46
Vorname: Matthias
Ski: Rossi FIS SL, Speed Master GS, Bonafide, Völkl Two
Ski-Level: 86
Skitage pro Saison: 20
Wohnort: Dresden
Kontaktdaten:

Re: Neuer/erster Slalomski

Beitrag von maestro70 » 20.11.2018 22:09

Ich finde diese Diskussion über Erfahrungswerte bzgl. Skiqualität persönlich sehr interessant!

Allerdings ist sie für den TE eher verwirrend und nicht zielführend.

Vielleicht könnte jemand ( @Uwe ) ein eigenes Thema daraus machen?
Ich bin nicht gestört ! Ich bin verhaltensoriginell !

Benutzeravatar
Uwe
Webmaster
Beiträge: 8353
Registriert: 22.05.2001 02:00
Vorname: Uwe
Ski: Elan SLX - Fischer Progressor 800
Ski-Level: 94
Wohnort: vor'm PC
Kontaktdaten:

Re: Skiqualität - "Chinaschrott"?

Beitrag von Uwe » 21.11.2018 09:20

maestro70 hat geschrieben:
20.11.2018 22:09
Vielleicht könnte jemand ( @Uwe ) ein eigenes Thema daraus machen?
Ist gemacht ;-)
Uwe

Benutzeravatar
ingo#31
Beiträge: 1155
Registriert: 30.03.2010 18:47
Vorname: ingo
Ski: Stöckli Laser SC, Navigator 85ti, "Plastomic 86C"

Re: Skiqualität - "Chinaschrott"?

Beitrag von ingo#31 » 21.11.2018 12:47

Der Thread-Titel ist den Chinesen/ Qualität gegenüber doch recht despektierlich. Ich denke die Chinesen bauen oft "Billigzeugs", weil es genau SO bestellt wird. Dass sie es besser, viel besser können, ist uns Allen bewusst. Wir wollen es nur nicht wahrhaben. Im Bereich TV, Smartphone usw. sind sie richtig gut.
Ein guter Bekannter von mir (Ingenieur bei einem grossen deutschen Getriebebauer) lässt sehr häufig Spezialteile für sein Auto (Kolben, Pleuel etc.) in China bauen, weil die gebotene Qualität der Chinesen, die der europäischen Hersteller bei weitem übersteigt! Und das zu annehmbaren Preisen.

Ich hatte noch keinen China-Ski- zumindest nicht bewusst- aber die Qualität der CH und Ö Hersteller ist auch nicht gerade die Referenz!
Den ersten Blizzard SRC den ich online gekauft hatte, war erheblich schlechter verarbeitet als der zweite SRC, den ich später über den schweizer Fachmarkt erstanden hatte. Gebaut wurden beide in demselben Werk in Ö.
Den mit Abstand am besten verarbeiteten Ski (nicht mal die Stöckli FIS kommen da ran) war der Radical Race Carver.
An dem stimmte Verarbeitungstechnisch einfach alles.

Ich denke wenn man sich Zeit nimmt und intensiv vergleicht- da bin ich genau Felix's Meinung- stellt man selbst als weniger Erfahrener, grosse Unterschiede fest. Ob es nötig ist, sei mal dahingestellt. Solange der Ski richtig verklebt usw. ist, merkt man beim Fahren keinen Unterschied. Die Dauerhaltbarkeit wird sicherlich unterschiedlich ausfallen.

latemar
Beiträge: 3272
Registriert: 15.12.2010 10:04

Re: Skiqualität - "Chinaschrott"?

Beitrag von latemar » 21.11.2018 13:03

ingo#31 hat geschrieben:
21.11.2018 12:47
Der Thread-Titel ist den Chinesen/ Qualität gegenüber doch recht despektierlich. ...
100% Zustimmung.
Klar kommt aus China viel Mist, aber das heisst ja nicht, dass sie nicht anders können.

ingo#31 hat geschrieben:
21.11.2018 12:47
Ich denke wenn man sich Zeit nimmt und intensiv vergleicht- da bin ich genau Felix's Meinung- stellt man selbst als weniger Erfahrener, grosse Unterschiede fest. Ob es nötig ist, sei mal dahingestellt. Solange der Ski richtig verklebt usw. ist, merkt man beim Fahren keinen Unterschied. Die Dauerhaltbarkeit wird sicherlich unterschiedlich ausfallen.
Auch da bin ich Deiner Meinung.
Aber für Otto Normalskifahrer wird das wenig Rolle spielen. Die Ski selbst sind in der Regel gut, Haltbarkeit und Fertigungsqualität dagegen differiert gewaltig. Glaube kaum, dass die meisten Ski in ihrem Leben mehr wie 60 Tage bewegt werden und das bei <5.000 hm/Tag.

Und die verarbeitungsmäßig schlechten Ski, die wir hatten waren alle "made in AT" und eine Bindung aus Südtirol. Da war nichts China.


Gruß!
der Joe

Benutzeravatar
extremecarver
Beiträge: 3512
Registriert: 12.01.2005 15:10
Vorname: Felix
Ski: Raxski Snowrider Powderequipment Swoard Wildschnee
Ski-Level: 999
Skitage pro Saison: 30
Wohnort: Wien
Kontaktdaten:

Re: Skiqualität - "Chinaschrott"?

Beitrag von extremecarver » 21.11.2018 13:07

Chinaschrott war halt von mir auch nur auf gewisse Firma bezogen - wobei die vorher ja noch übleren Made in Germany Schrott hergestellt haben (der Wechsel nach China hat außer in den ersten 1-2 Jahren wo es drunter und drüber ging) die Qualität ja sogar vebessert - aber die Devise möglichst günstig ist IMHO geblieben. Und Schrottomic schafft es ja in Bulgarien wie Österreich immer wieder Ski herszustellen die zuverlässig nach guter Performance die ersten 30-45 Skitage die Biege zu machen.
Und ja auch Österreich oder Tschechien kann von sehr gut bis grottenschlecht alles herstellen bei Ski - und das passiert auch. Nur in der Schweiz scheinen sie so Schrott derzeit wirklich nicht mehr herzustellen.
Wobei halt leider mit Nidecker in Rolle eine Fabrik mit exzellenter Qualität von ein paar Jahren dichtmachen musste (jetzt nur mehr Marokko bzw bei OEM). Von Stöckli habe ich bisher nur besseres als von Schrottomic oder dem bezeichneten "Chinaschrott" gesehen.


Und ja - Chinaschrott ist es - und dass habe ich ja jedes mal beschrieben - weil da zu viel gespart wird. Und das von Verarbeitung bis Material. Quasi so lausige Qualität wie die allseits beliebten Betrügerautos (auch Schummeldiesel genannt, wobei das mit Schummeln nix mehr zu tun hat sondern Betrug ist). Am Wissen wie man einen handwerklich guten Ski baut, liegt es ja nicht - dass ist recht frei verfügbar. Sonst könnten 1Mann Hersteller nicht konkurrenzfähige Ski herstellen - bzw ein, eine Hand voll Mitarbeiter Unternehmen wie Kessler den Snowboard Weltcup dominieren - und auch im Ski Weltcup bei den Ski quasi viel umgekrempelt haben.
schnell, riskant, vielseitig bergab
http://openMTBmap.org & www.VeloMap.org

Antworten