3sat - Der Schnee von morgen

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Uwe
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3sat - Der Schnee von morgen

Beitrag von Uwe » 22.02.2017 09:41

Gestern kam auf 3sat eine interessante Doku:
Der Schnee von morgen
Jedes Jahr das große Zittern. Kommt er - oder nicht? Jedes Jahr das große Investieren: Milliarden - für den Schnee von morgen. Der Wintertourismus ist einer der wichtigsten Industriekomplexe des Landes. Schneelandschaft, Natur und "Gaudi", davon leben heute ganze Berg- und Talregionen.
Siehe http://www.3sat.de/page/?source=/dokume ... index.html

Die Doku zeigt, dass es ohne Kunstschnee nicht mehr geht. Sogar in Dalmüs - mit 9m Schnee/Jahr dem angeblich "schneereichsten Dorf der Welt" - geht es nur noch mit Kunstschnee. Es wird gesagt, dass kleine, tief gelegene Skigebiete keine Chance mehr haben, und die großen, hoch gelegenen Skigebiete mit enormen Kosten kämpfen.

Das Video gibt es (noch 6 Tage) in der Videosteh unter:
http://www.3sat.de/mediathek/?mode=play&obj=64195
Uwe


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Ramon 23
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Re: 3sat - Der Schnee von morgen

Beitrag von Ramon 23 » 22.02.2017 10:08

Ich habe das gestern auf 3sat geschaut. In Lech war ich noch nie, habe aber schon mehr als einmal gelesen, das die eine schwache Schneianlage haben. Die Lecher werden in dem Bericht aber quasi als Referenz angegeben, nur weil sie die ersten in Ö waren, die technisch beschneit haben. Hab in dem Bericht nichts hören können, das Lech mit Schneemangel kämpfen muss, obwohl sie im letzten Winter ähnliche Probleme, wie die im Bericht dargestellten kleineren Gebiete hatten. Quasi alles gut in Lech dank "Schneekanonenpower" und der Naturschnee fällt dort garantiert auch zur richtigen Zeit. Bisschen undifferenziert und zu negativ gegenüber den Kleinen, wo ja auch wirkliche Problemfälle als Vergleich ausgesucht wurden.

Gruß Nils

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Re: 3sat - Der Schnee von morgen

Beitrag von extremecarver » 22.02.2017 11:48

Lech hat heuer noch immer nicht genug Schnee - so steinige Abfahrten wie am Arlberg hats derzeit in keinem anderem großen Skigebiet in Österreich (nichtmal Ischgl kann ka konkurrieren obwohl die sich alle Mühe geben auf ihren dieversen Ziehwegen bei Liftausstiegen/Einstiegen). Wer Weihnachten am Arlberg bucht war nun 3 Jahr am Stück ziemlich blöd dran - die haben halt immer auf genug Naturschnee vertraut - und nur schwache Beschneiung.

Grad von Dezember bis Jänner war Beschneiung in den letzten Jahren wichtiger wie Seehöhe. Aber klar - etwas Höhe schadet kaum. Wobei es auf Fels halt doppelt soviel Schnee wie auf Grashügeln braucht - außer man planiert und sprengt alles klein.

Aber ich sehe es auch so - in 15-20 Jahren spätestens wird es unter 2000m einfach immer schwerer das rentabel hinzubekommen. Ohne Schneekanonen wären aber auch genug hohe Skigebiete längst Pleite.
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Re: 3sat - Der Schnee von morgen

Beitrag von Pancho.Ski » 22.02.2017 13:24

Ich fand die Doku ganz interessant. Das Bild der einzelnen Gebiete hat man ja die jeweiligen Verantwortlichen zeichnen lassen. Ihnen hat man viel Raum gelassen. Lech wurde uns also durch Hr. Manhart, "Mr. Arlberg", gezeigt. :wink:
So sieht er halt sein Reich. Über die Qualität seiner selbst entwickelten Schneekanonen gibt es wohl auch mindestens zwei Meinungen.

Dem Gegenüber hat man die Stimmen der Experten gestellt. Ich finde das war ein gutes Konzept für diese Doku. Alle Aspekte des vielschichtigen Themas können in so einem Format gar nicht ausdifferenziert beleuchtet werden. Die Grundproblematik kam für mich aber rüber...


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Re: 3sat - Der Schnee von morgen

Beitrag von Mathi » 22.02.2017 13:47

In der Doko kam die Aussage, dass sich Schifahren aufgrund der Preise zu einem Elitensport entwickeln könnte.
Bereits jetzt haben 60% der Österreicher, auch aufgrund der hohen Preise, mit Schifahren nichts zu tun.

Die jährlichen Aufwendungen nur für Kunstschnee betragen in Lech 6 Millionen Euro. Allein deswegen müßte man ca. 120000 Tageskarten zu 50 Euro verkaufen! Weitere Aufwendungen für Pisten und Lifte kommen da noch hinzu.

Neben den Kosten für die Liftkarte entstehen zusätzlich für die Wochenurlauber nicht unerhebliche Kosten für Unterbringung und Material.


Man macht sich daher begründet Gedanken wie die Kinder als nächste Generation überhaupt fürs Schifahren zu gewinnen sind...

Noch vor 15 Jahren galt der Arlberg als Freerideparadies. Ob dort in Zukunft regelmäßig konstant die Möglichkeit zum Freeriden besteht, bezweifel ich.

Die Situation selbst in den großen Schigebieten wird m.M. nach in einigen Jahren so aussehen, daß nur noch wenige, dazu sehr einkommensstarke Menschen auf Kunstschneepisten Schifahren werden.

Vorausblickend werden wir noch dankbar sein, daß wir Schifahren als Breitensport mit regelmäßigen schneereichen Wintern noch erleben konnten.

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Re: 3sat - Der Schnee von morgen

Beitrag von Pancho.Ski » 22.02.2017 14:19

Ich fand auch, dass die Problematik, immer höhere Ansprüche - Teures Wettrüsten - immer höhere Kosten - immer weniger Aktive - harter Verdrängungswettbewerb, das ganze verschärft durch den fortschreitenden Klimawandel, ganz gut herausgearbeitet wurde.

Das Bild von einem Zug, der gegen die Wand fährt, aber lieber beschleunigt, statt zu bremsen, oder eine andere Richtung einzuschlagen. Bin mal sehr gespannt, was da noch passiert, so lange wie ich es noch mitkriege - wie sich das ganze auflöst oder eben zusammenbricht.

Zum Thema Kunstschnee fand ich den einen Kommentar ganz witzig, wonach bei konstantem Fall von Naturschnee die Gäste reklamieren würden, es würde nicht präpariert. :lol: - hab ich gerade neulich in Balderschwang erlebt. Zuviel Naturschnee kann die industriellen Abläufe also auch stören.

Tatsächlich fahren die heutigen Besucher der Großskigebiete, sofern sie auf Pisten bleiben, praktisch nie mehr auf reinem Naturschnee - ja mehr noch, sie können es gar nicht mehr. Das Naturprodukt ist nicht so berechenbar, verbuckelt schneller, die Pisten sind weniger haltbar und bieten den zig tausenden von Brettern nicht mehr genug Widerstand. Für den Beton, aus dem eine Carvingautobahn gebaut wird, ist Kunstschnee unverzichtbar. Wer also als Ischgl-Fan auf den Kunstschnee schimpft, ist schizophren.

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Ramon 23
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Re: 3sat - Der Schnee von morgen

Beitrag von Ramon 23 » 22.02.2017 14:54

Die Werbung suggeriert den Leuten doch das Wintermärchen mit perfekt präparierten Pisten, die den ganzen Tag halten. Wenn es dann anders ist, schauen die Leute dumm aus der Wäsche. Bin mir sicher das selbst in dieser Woche bei "Mistwetter" einige mit "perfekten Bedingungen" werben. Hab schon oft von Bekannten gehört, das sie letztlich enttäuscht waren von Schneelage oder Überfüllung oder wegen Sturm geschlossene Lifte. Die beschäftigen sich nicht mit dem Thema, sehen nur die Werbespots oder Winterbilder in Hochglanzmagazinen. Ich denke an der hohen Erwartungshaltung der Gäste sind die Betreiber nicht ganz unschuldig...

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Re: 3sat - Der Schnee von morgen

Beitrag von Pancho.Ski » 22.02.2017 15:01

Das ist eines der Symptome des immer härter werdenden Wettbewerbs. Aggressive Werbung, die letztlich eine Erwartungshaltung erweckt, wie vor einem Besuch eines großen Freizeitbades oder Disneyworld Paris. Aber das ist es halt nicht...

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elypsis
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Re: 3sat - Der Schnee von morgen

Beitrag von elypsis » 22.02.2017 15:29

Seit dem 31. Januar greift bei uns das Beschneiungsverbot und in den vergangen zwei Wochen gab es oben ca. einen halben Meter Neuschnee. Die Schneelage war in den vergangenen Jahren durchweg so perfekt, dass man bis weit in den Mai hinein hätte fahren können, hätte der Skigebietsbetreiber nicht zuvor den Betrieb eingestellt. Dass das kommerziell gesehen richtig ist, sieht man an den extrem rückläufigen Gästezahlen schon weit vor Ostern. Hierzu gibt es genügend Umfragen, aus den hervorgeht, dass man mittlerweile im Frühling lieber per Billigflieger irgendwo am Strand in der Sonne liegt, anstatt auf Ski zu stehen. Paradoxerweise soll dafür aber die Skisaison so früh wie möglich beginnen. So übersommert man zur Kostendämpfung in Davos Klosters Mountains inzwischen riesige Tonnagen von Naturschnee (Snow Farming), was preiswerter und nachhaltiger ist, als komplett auf technischen Schnee zurückzugreifen.

Der Klimawandel ist eine Sache, den Wandel unserer Gesellschaft darf man aber auch nicht übersehen! Skigebiete, die diesen Anforderungen entsprechen können, werden überleben. Dieser Aspekt wurde in dieser Reportage außen vor gelassen!

Dieses Feature über Leza Schmid, der Schweizer Beschneiungspionier, passt als Ergänzung gut zu diesem Thema:
http://tp.srgssr.ch/p/portal?urn=urn:sr ... layerType=
Zuletzt geändert von elypsis am 22.02.2017 19:12, insgesamt 2-mal geändert.
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Re: 3sat - Der Schnee von morgen

Beitrag von Eddy21 » 22.02.2017 18:55

Die letzten Jahre war ich traditionell immer von Weihnachten bis Neujahr am Arlberg/ Bregenzer Wald. Aber die letzten drei Jahre war es echt hart, wenn man Ski fahren wollte. Da bin ich sogar bis zu 70 km gefahren, um ein relativ schneesicheres Skigebiet zu erreichen. Zu sowas habe ich aber keine Lust mehr. Vor zwei Monaten waren wir dann eben bis auf 2000m Höhe wandern auf den Höhenwanderwegen. Und wir waren da nicht die einzigen. Zum Skifahren auf den überfüllten wenigen, beschneiten, dünnen weißen Streifen hatte ich keine Lust. Von den Temperaturen war es wenigstens weihnachtlich teilweise unter 0°C. Aber wenn es in den nächsten Jahren so bleibt mit der Schneelage, dann muss ich wohl tiefer nach Ö einreisen, wenn ich überhaupt noch Ski fahren will auf Naturschnee.

Die Gemeinden geben sich ja die größte Mühe. Da gibt es mittlerweile viele Angebote von Wanderungen, Besichtigungen, Führungen oder Segway-Touren, um nur mal einiges zu nennen. Ob das ausreicht, um die Touris zu halten ist fraglich. Denn entweder mache ich Winterurlaub mit Schnee oder ich fliege in die Sonne.

Und im März habe ich, wenn es in D schon 15-20°C sind, auch keine Lust mehr, Ski zu fahren. Da mache ich lieber Mountainbike-Touren. Ist einfach so, da ist der Winter für mich vorbei. Wenn ich mich selbst betrachte, glaube ich kaum, dass der Mensch sich in seinem Verhalten, Ski zu fahren, an den späteren Winter von Mitte Januar bis Anfang April umgewöhnt.

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