Gleichgewichtsdiskrepanzen

Alles rund um's (Ganzjahres-)Training
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NeusserGletscher
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Re: Gleichgewichtsdiskrepanzen

Beitrag von NeusserGletscher » 29.08.2008 10:27

MartinFarrent hat geschrieben:Bei Gymnastikübungen (nicht so sehr beim Skifahren) fällt mir auf, dass ich wesentlich besser auf dem rechten Bein balancieren kann als auf dem linken.

Kann man soetwas ausgleichen?
Liegt es daran, dass die Muskulatur in Deinem linken Bein schwächer ist oder daran, dass die kleinen Ausgleichsbewegungen der Muskulatur, die automatisch ablaufen, links nicht so trainiert sind?
nicola hat geschrieben:ich halte es für ausgesprochen wichtig das gleichgewichtsgefühl auch von den augen abzukoppeln.... stell dich auf ein bein, schliess deine augen und konzentriere dich darauf was du in dir selbst wahrnimmst...
Die Klinke von der Türe, die sich beim Fallen in meine Seite bohrt :oops: :wink: :wink: :wink:
Mixery hat geschrieben:Wenn ich beim Skifahren nur durch kurze Nebelphasen muss wird mir sofort schwindelig und ich verliere ziemlich die Orientierung.
Schwindelig wird mir zwar nicht, aber mir fällt es schwer, die Balance zu halten. Fast alle Skifahrer und Lehrer, mit denen ich bislang im Nebel gefahren bin, meinen, dass man im Nebel mindestens eine Stufe schlechter fährt. Nach meinem laienhaften Verständnis hast Du nur 4 Sinne, um Deine Lage zu kontrollieren: Gleichgewichtssinn (den Sensor im Ohr), Tastsinn (Druckverteilung an den Füssen), Bewegungsempfinden (vor allem aus Erfahrung) und Deine Augen. Fehlt Dir die Sicht, dann fehlt Dir nominal 1/4 Deiner Sensorik (gemessen an der Wichtigkeit eher noch mehr).

Seit einiger Zeit trainiere ich daher regelmässig, nach Nicolas Vorschlag auf einem Bein mit geschlossenen Augen zu balancieren. Es gibt Tage, da gelingt mir das gut, an anderen Tagen weniger. Über eine halbe Minute schaffe ich allerdings nie. Vor einigen Monaten hatte ich allerings auch noch Probleme, über die aus Baumstämmen bestehende Abgrenzung eines Bolzplatzes zu balancieren. Durch Training schaffe ich die 30 Meter hin und zurück nun allerdings spielend - mit offenen Augen. Im Zirkus werde ich mit der Nummer aber nicht auftreten, dafür reichts nicht :wink:

Für das Training des Gleichgewichtssinns kann ich mir auch vorstellen, auf einem Balancierkreisel mit geschlossenen Augen zu balacieren. Meinen Sportkreisel kann ich allerdings dafür nicht verwenden, der hat bei extremer Neigung instabile Zustände, die mich abwerfen. Da kann ich mir vorstellen, dass ein leichtes Wackelbrett oder eben ein einfacher Balancierkreisel die bessere Wahl ist. Schaukeln mit geschlossenen Augen hilft auch schon etwas, allerdings nicht bei seitlichen Bewegungen.

Sofern keine körperliche Schädigung vorliegt, ist es wohl eine Frage des Training. Use it or loose it. Das schöne daran ist, dass man sich durch Trainig wieder verbessern kann.
Was man selbst erledigt können andere nicht verkehrt machen.

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Re: Gleichgewichtsdiskrepanzen

Beitrag von MartinFarrent » 29.08.2008 11:58

NeusserGletscher hat geschrieben:[Liegt es daran, dass die Muskulatur in Deinem linken Bein schwächer ist oder daran, dass die kleinen Ausgleichsbewegungen der Muskulatur, die automatisch ablaufen, links nicht so trainiert sind?
Ich glaube, das geht Hand in Hand. Das gilt vielleicht auch für das Gegengift - Übungen.
NeusserGletscher hat geschrieben: Seit einiger Zeit trainiere ich daher regelmässig, nach Nicolas Vorschlag auf einem Bein mit geschlossenen Augen zu balancieren.
Das tue ich auch. Die Übung, die ich zunächst im Netz fand, sah das einbeinige Stehen auf einem Fußballen mit geschlossenen Augen vor - viel schwieriger. Also zerlegte ich sie:

- einbeinig auf einem Fußballen mit offenen Augen (trainiert übrigens auch Muskulatur);
- einbeinig auf dem ganzen Fuß mit geschlossenen Augen.

Beides übe ich tendenziell ein wenig mehr mit Links als mit Rechts.

Die ursprüngliche Übung (geschlossene Augen und Fußballen) hatte für mich keinen Trainingseffekt, weil der gelegentliche Erfolg zu kurz und zufällig war, um wirklich erlebt zu werden. Bei den beiden Teilübungen lerne ich hingegen, mich einem bestimmten Teil des Bewusstseins anzuvertrauen. Irgendwann werde ich die beiden Teile dann zusammensetzen können - hoffe ich. Dazu müssen sie aber fester sitzen.

Viele Grüße

Martin

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Re: Gleichgewichtsdiskrepanzen

Beitrag von goodie_1401 » 29.08.2008 12:48

Hast du mal versucht mit der linken Hand die Maus zu bedienen? Ich hab mich umstellen müssen, nachdem mein Handgelenk rechts nicht mehr mitmachen wollte. Nun mause ich links. Hat mich etwa 3 Tage umstellung gekostet, jetzt gehts links wie rechts gleichermaßen und ich wechsle wild hin und her. (kann auch mit rechts mausen, trotz umgesstellter Maustasten)

Beim Segeln kenne ich den Effekt, dass auf dem Schiff alles gut ist aber an Land etwa beim Duschen die ganze Kabine wackelt.

:D

Gruß Petra
unterwegs mit zwei Heizerkids

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Re: Gleichgewichtsdiskrepanzen

Beitrag von MartinFarrent » 29.08.2008 13:29

Das probiere ich mal aus, Petra.

Übrigens: Wir vergessen in diesem Thread gänzlich, dass es auch ein dominantes Auge gibt. Es muss bei einem Rechtshänder nicht zwangsläufig das rechte sein (ist es allerdings häufig).

Gruß

Martin

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Re: Gleichgewichtsdiskrepanzen

Beitrag von nicola » 30.08.2008 15:10

NeusserGletscher hat geschrieben:
Mixery hat geschrieben:Wenn ich beim Skifahren nur durch kurze Nebelphasen muss wird mir sofort schwindelig und ich verliere ziemlich die Orientierung.
Schwindelig wird mir zwar nicht, aber mir fällt es schwer, die Balance zu halten. Fast alle Skifahrer und Lehrer, mit denen ich bislang im Nebel gefahren bin, meinen, dass man im Nebel mindestens eine Stufe schlechter fährt. Nach meinem laienhaften Verständnis hast Du nur 4 Sinne, um Deine Lage zu kontrollieren: Gleichgewichtssinn (den Sensor im Ohr), Tastsinn (Druckverteilung an den Füssen), Bewegungsempfinden (vor allem aus Erfahrung) und Deine Augen. Fehlt Dir die Sicht, dann fehlt Dir nominal 1/4 Deiner Sensorik (gemessen an der Wichtigkeit eher noch mehr).
die sache mit den gleichgewichtsproblemen bei nebel beruht auf der diskrepanz zwischen den informationen welche die sinne erhalten. wenn wir nichts mehr sehen wissen die meisten nicht mehr geht's bergauf oder bergab und auch der bezug zur geschwindigkeit geht verloren, stehe ich oder fahre ich?. im allgemeinen sind das genau jene faktoren, die zur reisekrankheit oder kinetose führen. dass der gleichgewichtssinn beim menschen ganz klar an hochentwicklete sinne gekoppelt ist, ist hier ein nachteil. einen gleichgewichtssinn haben fast alle lebewesen auch die primitivsten, der funktioniert im prinzip bei allen gleich und beruht auf kleinen klümpchen, die zum gravitationszentrum hin sinken und sensoren aktivieren.

wir menschen bedienen uns noch anderer sinne wie peter schreibt
- der gleichgewichtssinn im ohr ist wohl unbestritten der wichtigste, kann aber am berg auch oft beeinträchtigt werden (druckunterschiede, kreislaufbeschwerden, blutdruckprobleme - wenn bei schlechter sicht angst auftaucht keine seltene erscheinung). auch das hören ist nicht unwesentlich am gleichgewichtsempfinden beteiligt.
- die augen sind für die meisten immens wichtig und imho deshalb auch genau ein knackpunkt. wir verlassen uns soviel auf unsere augen, dass die aufmerksamkeit für andere balancefaktoren verkümmert. dass man auch ohne visuellen sinn sehr geschickt balancieren kann beweisen bspw. blinde skifahrer oder leute die mit verbunden augen am hochseil balancieren. ich will damit nicht sagen, dass man den visuellen sinn nicht benutzen sollte, vielmehr, dass man mit gut entwickelten anderen sinnen in verbindung mit dem sehen erst das optimum herausholen kann.
- der tastsinn, allerdings gibt er einem aufmerksamen skifahrer nicht nur aufschluss über die druckverteilung an den füssen, sondern eine grosse menge anderer feedbacks - zum beispiel die geschwindigkeit (man spürt den fahrtwind) - aber auch die lage des gravitationszentrums - wohin bewegen sich meine gliedmassen wenn ich sie locker hängenlasse oder die zunge, der speichel und sogar organe kann man spüren. der tastsinn arbeitet auch stark mit
- dem sinn zusammen, der uns am wenigsten geläufig ist, der tiefensinn und diesen würde ich bei gleichgewichtssproblemen auch zu allererst ergründen, da er mit unserem bewusstsein nur ganz wenig erfasst wird.

ich selbst neige seit dem ende meiner kindheit (bei kindern ist reisekrankheit viel häufuger als bei erwachsenen) überhaupt nicht zu symptomen von kinetose. vor drei jahren hat es mich allerdings einmal kräftig erwischt. ich war im team der ORF skichallenge beschäftigt und musste mich für meine betätigung natürlich auch mit dem virtuellen abfahrtslauf auseinandersetzen. bei meiner "jungfernfahrt" wählte ich die läuferperspektive, nach dreissig sekunden am computer war mir dermassen schlecht und schwindlig, dass ich sofort aufhören musste. :D
nicola

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Re: Gleichgewichtsdiskrepanzen

Beitrag von NeusserGletscher » 30.08.2008 17:21

Hallo Nicola,

welche Möglichkeiten haben wir denn noch, ausser mit geschlossenen Augen auf einem Bein zu balancieren, um den Tiefensinn zu trainieren? In der Halle versuche ich im flacheren Teil gelegentlich, mit geschlossenen Augen ein paar Meter zu fahren.

Gruss

Peter
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Re: Gleichgewichtsdiskrepanzen

Beitrag von nicola » 30.08.2008 19:52

NeusserGletscher hat geschrieben:welche Möglichkeiten haben wir denn noch, ausser mit geschlossenen Augen auf einem Bein zu balancieren, um den Tiefensinn zu trainieren? In der Halle versuche ich im flacheren Teil gelegentlich, mit geschlossenen Augen ein paar Meter zu fahren.
über die trainierbarkeit des tiefensinns wird ziemlich viel diskutiert, ich möchte diesbezüglich keine spekulationen anstellen, denke aber, dass bewegung generell hilft die rezeptoren auf schuss zu halten. ich habe auch die erfahrung gemacht, dass es allen hilft, sich auf instabilem oder unebenen untergrund zu bewegen und dort wo es leicht fällt auch ab und zu einmal die augen zu schliessen und nur zu fühlen was passiert. was ich noch empfehlen würde - mit ganz einfachen dingen zu beginnen, denn immer wenn der muskeltonus sehr gross ist spürt man viel weniger. da ist es vielleicht ab und zu ganz lustig barfuss und ohne licht einen abendlichen streifzug durch die wohnung zu machen, teppichkanten, unterschiedliche bodenbeläge und türschwellen erspüren... rückwärts gehen wäre auch so eine sache, der man täglich ein paar minuten widmen könnte und mit etwas phantasie lässt sich beinahe überall etwas finden!

kurz gesagt mit basics beginnen - barfuss gehen gehört bestimmt zu den effektivsten und gleichzeitig einfachsten mitteln das gleichgewichtsgefühl auf schuss zu bringen.
nicola

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Re: Gleichgewichtsdiskrepanzen

Beitrag von john » 31.08.2008 01:23

komischerweise habe ich heute, ohne zu wissen, das es auch im forum das heisse thema ist, mit einem nicht-skifahrer ueber den sinn folgender uebung diskutiert:

http://www.youcanski.com/video/video_index_en.htm
(video ganz unten, "Bear jump on ball")

Der kollege war der meinung, solche uebungen dienten eher der rechtfertigung eines trainerpostens als der kondition seiner athleten, und das man vielleicht mehr vom eigentlichen skifahren gewinnen koennte. mein einwand war, dass man fuer die abfahrtsspruenge moeglicherweise praekonditionierte propriozeptive faehigkeiten braeuchte, die man sich in der turnhalle auf sicherere weise aneignen koennte - ich versprach aber, das thema mit einer abfahrtsspezialistin, die sich mit bewegungsmoeglichkeiten und lern- und trainungsprozessen beschaeftigt, zu besprechen. Da sie's aber schon bespricht und die antwort anscheinend auch andere interessiert, wird die frage in aller oeffentlichkeit gestellt! Beschaeftigt sich Bear mit einer fuer die abfahrt produktiven uebung oder steigert er lediglich seine kuenste in auf den Ball Springen?

keine sorgen, ich stelle den peziball nicht aufs bett, wenn du sagst, es bringt was. :wink:

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Re: Gleichgewichtsdiskrepanzen

Beitrag von john » 31.08.2008 02:14

ah, sorry, hatte eine seite uebersprungen - wir sind anscheinend alle der meinung, dass es grundsaetzlich etwas bringt, die sinne wachzuruetteln. Aendern wir die frage etwas: ist das von Bear absolvierte training so spezifisch, dass es dann von beschraenkter anwendbarkeit fuers skifahren wird? oder haengt das eher von der einstellung des individuums zum training im allgemeinen ab?

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Re: Gleichgewichtsdiskrepanzen

Beitrag von Herbert Züst » 01.09.2008 07:53

Gestern haben wir auf einer Bergwanderung mit einer Frau geredet, die zwei künstliche Kniegelenke erhalten hat. Sie hat uns gesagt, dass beim ersten Knie alles sehr gut gelaufen ist, sie aber nach der zweiten Operation massive Gleichgewichtsprobleme bekommen hat. Ihr Arzt hat ihr erklärt, dass nach einer solchen Operation einige Nerven, welche Impulse direkt ins Rückenmark geben, fehlen würden. Nach der ersten Operation habe das andere Knie diese Funktion übernommen, als dieses dann auch ersetzt wurde, fehlten der Frau , für den Gleichgewichtssinn wichtige Impulse. Durch langes Training habe sie ihren Gleichgewichtssinn,wieder zurückerhalten. (Sie ist auf den kleinen Bergpfaden sehr gut gelaufen und wenn sie es uns nicht gesagt hätte, wäre niemand auf den Gedanken gekommen, dass die Frau mit zwei künstlichen Gelenken herumwandert.)Dieses Beispiel zeigt, dass durch entsprechendes Training das Gleichgewicht sehr wohl verbessert werden kann und dass ausgefallene Nervenimpulse anscheinend durch andere ersetzt werden können.

Gruss Herbert
Herbert

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