Mein Leben als Skilehrerin
Verfasst: 07.04.2005 19:06
Dieser Beitrag ist Martina gewidmet
Ende der Saison 03/04 hatte ich meine persönlichen Ziele für die Saison 04/05 hier im Forum veröffentlicht.Einige dieser Ziele konnte ich realisieren,der größte Teil ist allerdings auf der Strecke geblieben.Dies lag übrigens nicht an mangelndem Willen, sondern an der zu kurzen Zeitspanne.
Aufgrund der Aufforderung von Martina möchte ich hier nun kurz meine erste Saison an der Schweizer Schneesportschule Scuol resümieren.
Im Oktober 04 habe ich die schriftliche Bestätigung aus Scuol bekommen,dass ich als HSV (Hoch Saison Verstärkung
) in der Saison 04/05 bei ihnen arbeiten kann.Die Einladung zum obligatorischen Einführungskurs Anfang Dezember lag auch anbeiAls mir die Bedeutung dessen bewußt wurde,fing ich erst einmal an in große Selbstzweifel zu fallen,ob meine Fähigkeiten menschlich sowie auf den Ski überhaupt reichen würden.
Die ersten 2 Tage des Kurses waren nicht gerade positiv.Es gab wenig ganz neue Kollegen wie mich und die einheimischen,eidgenössischen Bergvölker sind ja nicht gerade für ihre offene,emotionale + sympathische Ausstrahlung bekannt
.Rückblickend gesehen würde ich sagen,es ist sicher ähnlich hier in Norddeutschland eine neue Stelle anzutreten.Die einzige Ausnahme:Die Schweizer haben besserer Umgangsformen
Aus dem 6 tägigen Kurs bin ich dann doch mit einem positiven Gefühl heraus gegangen.In technischer sowie methodisch/didaktischer Hinsicht habe ich einiges an positiver Verstärkung erhalten.Am letzten Tag wurde uns unsere interne Unterrichtsqualifikation mitgeteilt.In Scuol wird von Klasse 1 (Anfänger - Klasse 6 (Könner) unterrichtet (unterteilt in Erwachsene und Kinder).Klasse 5+6 bleiben Skilehrern mit staatl Prüfung vorehalten,da diese Klassen häufig off piste fahren und dies ist in der CH ausschließlich mit dieser Qualifikation möglich.Ich bekam die Quali bis Klasse 4 Kinder und Erwachsene.
Die ersten Tage vor Sylvester habe ich ausschließlich privat Stunden gegeben.Das war eine neue Erfahrung für mich,da ich aus Deutschland nur Gruppenunterricht gewöhnt war.Anfangs war ich sehr selbstkritisch mit mir,hatte das Gefühl,ich packe zuviel in diese zwei Stunden hinein (technisch) aber die "Kunden" waren immer zufrieden und buchten Folgestunden,so dass ich erst einmal nichts an meiner "Taktik" geändert habe.Durch die positiven Rückmeldungen an unser Büro hatte ich auch sehr schnell eine "Sparte" an Kunden,die mir zugeteilt wurde.Ihr vermutet richtig,wenn ihr nicht auf junge,dynamisch + sportliche Skifahrer tippt die ihre SL Technik verbessern wollen
In der folgenden Zeit unterrichtete ich alle Klassen und alle Altersgruppen.Mein jüngster und nettester Skischüler war gerade 3 Jahre alt.Am Ende der 5 privat Lektionen war ich hoffnungslos verliebt in ihn
......Die älteste Schülerin war Ende 50.Es gab viele kuriose Situation, deren Erzählung diesen Rahmen sprengen würde.Die positivste Erfahrung für mich war,wie einfach sich die meisten für das Ski fahren begeistern lassen und wie einfach es dann wiederum für mich ist,diese Begeisterung in eine Verbesserung der persönlichen Fahrtechnik umzumünzen.Es gab schon auch Situationen,in denen ich abgenervt oder wütend war,z.B. hatte ich am Ende der Saison Probleme mit Leuten umzugehen,deren erster Satz im Skikurs :"Das kann ich nicht,das mache ich nicht..."war.Ich mußte mich dann sehr konzentrieren nicht ironisch zu antworten,sondern natürlich immer sensibel reagieren.Der Kunde ist eben König!
Höhepunkt der Woche war für mich immer das Skilehrertrainig einmal pro Woche.Das ist einfach kostenloser Skiunterricht zu einem bestimmten Thema (meist bezogen auf den Lehrplan) auf höchstem Niveau.Zweimal hatte ich das Glück einen Experten zugeteilt zu bekommen,der im Schweizer Skiverband zum Education Pool und dem Demo Team CH angehört.Er unterrichtet an unserer Skischule.Das ist ein absoluter Glücksfall und das Beste daran ist,er ist ein fabelhafter Mensch.
Jetzt am Ende der Saison bin ich körperlich etwas ausgelaugt.Die Arbeit als Skilehrerin ist trotz der max 6 Std die man am Tag unetrrichten kann,physisch recht anstrengend.Dazu beigetragen haben sicher auch individuelle Problem wie das ständige pendeln zwischen dem Engadin und Braunschweig (einfache Strecke 750km),das Arbeiten in meinem Job und die Versorgung meiner Familie.
Als ich letzte Woche Scuol das letzte mal in dieser Saison hinter mir ließ war ich schon traurig.Ich habe im Laufe der Zeit mit einigen Kollegen/innen einen sehr netten Kontakt,habe viele neue positive Erfahrungen gemacht.Leider ist die Verbesserung meiner persönlichen Fahrtechnik gescheitert.Für individuelles Ski fahren bleibt einfach kaum Zeit.
Ich empfinde es noch immer als Glücksfall,als Skilehrerin in Scuol arbeiten zu dürfen und ich arbeite gern als Skilehrin.Meinen Traumberuf Krankenschwester würde ich dafür allerdings nie aufgeben
Beate
@urs
so!Nun bist du dran
Ende der Saison 03/04 hatte ich meine persönlichen Ziele für die Saison 04/05 hier im Forum veröffentlicht.Einige dieser Ziele konnte ich realisieren,der größte Teil ist allerdings auf der Strecke geblieben.Dies lag übrigens nicht an mangelndem Willen, sondern an der zu kurzen Zeitspanne.
Aufgrund der Aufforderung von Martina möchte ich hier nun kurz meine erste Saison an der Schweizer Schneesportschule Scuol resümieren.
Im Oktober 04 habe ich die schriftliche Bestätigung aus Scuol bekommen,dass ich als HSV (Hoch Saison Verstärkung
Die ersten 2 Tage des Kurses waren nicht gerade positiv.Es gab wenig ganz neue Kollegen wie mich und die einheimischen,eidgenössischen Bergvölker sind ja nicht gerade für ihre offene,emotionale + sympathische Ausstrahlung bekannt
Die ersten Tage vor Sylvester habe ich ausschließlich privat Stunden gegeben.Das war eine neue Erfahrung für mich,da ich aus Deutschland nur Gruppenunterricht gewöhnt war.Anfangs war ich sehr selbstkritisch mit mir,hatte das Gefühl,ich packe zuviel in diese zwei Stunden hinein (technisch) aber die "Kunden" waren immer zufrieden und buchten Folgestunden,so dass ich erst einmal nichts an meiner "Taktik" geändert habe.Durch die positiven Rückmeldungen an unser Büro hatte ich auch sehr schnell eine "Sparte" an Kunden,die mir zugeteilt wurde.Ihr vermutet richtig,wenn ihr nicht auf junge,dynamisch + sportliche Skifahrer tippt die ihre SL Technik verbessern wollen
Höhepunkt der Woche war für mich immer das Skilehrertrainig einmal pro Woche.Das ist einfach kostenloser Skiunterricht zu einem bestimmten Thema (meist bezogen auf den Lehrplan) auf höchstem Niveau.Zweimal hatte ich das Glück einen Experten zugeteilt zu bekommen,der im Schweizer Skiverband zum Education Pool und dem Demo Team CH angehört.Er unterrichtet an unserer Skischule.Das ist ein absoluter Glücksfall und das Beste daran ist,er ist ein fabelhafter Mensch.
Jetzt am Ende der Saison bin ich körperlich etwas ausgelaugt.Die Arbeit als Skilehrerin ist trotz der max 6 Std die man am Tag unetrrichten kann,physisch recht anstrengend.Dazu beigetragen haben sicher auch individuelle Problem wie das ständige pendeln zwischen dem Engadin und Braunschweig (einfache Strecke 750km),das Arbeiten in meinem Job und die Versorgung meiner Familie.
Als ich letzte Woche Scuol das letzte mal in dieser Saison hinter mir ließ war ich schon traurig.Ich habe im Laufe der Zeit mit einigen Kollegen/innen einen sehr netten Kontakt,habe viele neue positive Erfahrungen gemacht.Leider ist die Verbesserung meiner persönlichen Fahrtechnik gescheitert.Für individuelles Ski fahren bleibt einfach kaum Zeit.
Ich empfinde es noch immer als Glücksfall,als Skilehrerin in Scuol arbeiten zu dürfen und ich arbeite gern als Skilehrin.Meinen Traumberuf Krankenschwester würde ich dafür allerdings nie aufgeben
Beate
@urs
so!Nun bist du dran