Welche Tourenski (-> Rocker?) für Extremecarver und Ex-Trickskifahrer

Alles rund ums Tourengehen, Freeriden und Sicherheit abseits der Pisten. Siehe auch Bericht Freeriding - Sicherheit abseits der Pisten
Ausrüstungsfragen siehe z.B. Forum SICHERHEITS-Ausrüstung
Eberh@rd
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Welche Tourenski (-> Rocker?) für Extremecarver und Ex-Trickskifahrer

Beitrag von Eberh@rd » 07.02.2022 13:15

Habe mal ein neues Thema erstellt, da die neulich diskutierte Frage der Bindung wahrscheinlich erst nach dem Schuh und dem Ski kommt:
Eberh@rd hat geschrieben:
08.01.2022 12:14
bin Anfang 50, 178cm, 80kg, ehemaliger Trickskifahrer und Extremecarver auf dem Raceboard (full laydown style) und auf Funcarvern.

Gattin möchte jetzt in den Skitourensport einsteigen.

Ich bin beruflich sowie Corona-bedingt derzeit nicht besonders ausdauer-fit.

Ein Schwerpunkt ist für mich auf jeden Fall volle Abfahrtstauglichkeit. Ich werde mir einen relativ kurzen Tourenski mit möglichst kleinem Kurvenradius suchen. Unter anderem aufgrund jahrzehntelanger Übung brauche ich wahrscheinlich keine primär für den Tiefschnee optimierten Latten. Carving ist mein weitaus bevorzugter Stil, dazwischen darf es auch mal Buckelpiste sein

In einem Ski-Konfigurator habe ich mir mal stärker taillierte Tourenski rausgesucht.

Nur beispielsweise so etwas wie den Kästle TX77:
Kästle TX77.png

Oder einen Völkl Rise Up:
Völkl Rise Up 82.png

Wäre so ein Racing-orientierter Tourenski was für mich?

Mit dem Thema Rocker-Tip habe ich mich noch nicht so beschäftigt, hatte auch noch nie einen entsprechenden Ski.

Anstatt einen ziemlich kurzen Ski ohne Rocker zu fahren, wäre ein längerer Ski mit Rocker besser geeignet für sowohl Tiefschnee als auch Piste?

Sprich, auf der Piste kommt die Kante praktisch nur auf der kürzeren Länge bis zum Rocker zum Einsatz, und im Tiefschnee wirkt die gesamte Skilänge -- so richtig?

Roboter
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Re: Welche Tourenski (-> Rocker?) für Extremecarver und Ex-Trickskifahrer

Beitrag von Roboter » 07.02.2022 22:07

Hallo Eberhard,
zu den Themen „Rocker“, „Lauffläche (running length)“, „effektive Kante (effective Edge)“ und deren Beziehungen untereinander gibts auf der Homepage von Blister.com (Kategorie Gear101/Unterkategorie Skiing101) gute Erklärungen. Der daraus resultierende Shape ist ein maßgeblicher Faktor für die Fahreigenschaften, aber keineswegs der einzige. Aufbau und Flexeigenschaften spielen ebenso eine Rolle dafür, wie sich ein Ski in bestimmten Bedingungen verhält.
Für konkrete Skitips wären genauere Infos zum geplanten Einsatzbereich zweckdienlich; deshalb nur soviel: Willst Du eine gute Mischung aus Aufstieg und Abfahrt, könntest Du zB die Salomon MTN-Explore-, K2 Wayback- oder Atomic Backland-Serien in Betracht ziehen. Die sind relativ preiswert und können wohl so ziemlich alles, was Du als Toureneinsteiger (aber auch danach) brauchst. Ich hab zB einen Salomon MTN Explore 95 in 184 cm. Der ist auch in garstigen Bedingungen sehr zuverlässig und stets vorhersehbar (das finde ich bei einem Tourenski sehr wichtig, viel wichtiger noch als bei einem Pistenski) und lässt sich sogar mit (trotz) seinen ca 1,5 kg/Ski (exkl. Bindung) auf der Piste gut carven. Nimmst Du einen sehr leichten Ski, ist’s natürlich angenehmer im Aufstieg, aber schwieriger bei der Abfahrt, insbesondere bei schwierigen Schneebedingungen. Auch sehr kleine Radien können dazu führen, dass sich ein Ski im Gelände bockig und hakelig anfühlt.
Planst Du nur kürzere Aufstiege mit Schwerpunkt Abfahrt, könntest Du etwas schwerere Allmountain-Ski in Betracht ziehen. Die fahren meist auch auf der Piste sehr gut. Da gibt es so viele Modelle mit unterschiedlichen Qualitäten, dass es eine echte Freude ist, sich durchzurecherchieren :-D (auch dazu findest Du viel auf Blister.com).
LG R

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Re: Welche Tourenski (-> Rocker?) für Extremecarver und Ex-Trickskifahrer

Beitrag von Eberh@rd » 07.02.2022 23:19

Danke für die Tipps -- die Ski schau ich mir an.

Der Artikel über Rocker ist gut -- es scheinen aber Infos dazu zu fehlen, wie sich ein Rocker auswirkt, im Tiefschnee vs. auf der Piste.

vG Eb

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Re: Welche Tourenski (-> Rocker?) für Extremecarver und Ex-Trickskifahrer

Beitrag von Roboter » 08.02.2022 00:22

Hi, zusätzliche Infos finden sich auf der genannten Seite im Artikel vom 28. September 2020 über die Skilänge (ist bei mir gleich der erste Artikel in der Liste). Vielleicht noch ein paar - sehr grobe - Erfahrungswerte:
Je länger der (Tip-)Rocker, desto kürzer fühlt sich der Ski an, wenn er „relativ plan auf dem Belag“ (nicht auf der Kante) gefahren wird. Auch Driftschwünge lassen sich leichter auslösen, va wenn noch Tailrocker und/oder TwinTip dazukommen.
Je näher die breitesten Punkte vorne und hinten bei den Skienden sind, desto mehr effektive Kante hast Du, wenn Du den Ski aufkantest (wenn Du also carvst). Der Ski fährt dann stabiler auf der Kante, dafür ist es schwieriger, einen gecarvten Schwung abzubrechen.
Umgekehrt: Hat der Ski ausgeprägt getaperte Enden (der breiteste Punkt ist weiter in Richtung Skimitte versetzt), steht weniger effektive Kante zur Verfügung. Der Ski carvt nicht so ausgeprägt, ist aber manövrierfähiger und es besteht (va im Gelände) weniger Gefahr, dass die Kante weiter greift, obwohl Du den Ski bereits aus dem Schwung ausbrechen willst (etwa weil Dir ein Baum entgegenkommt).
Grundsätzlich kann man auch sagen, je mehr Rocker, je länger der Radius und je weicher der Ski an den Enden (Tip und Tail), desto leichter schwimmt er bei Pulver auf.
Tiprocker finde ich auch bei Unebenheiten praktisch, weil er mir dabei hilft, diese auszutarieren, ohne dass es mich in die Buckeln „hinein staucht“.
Je stärker der (Tip-)Rocker ausgeprägt ist, desto stärker können die Spitzen flattern (das hängt aber auch sehr vom Aufbau des Skis ab). Manche stört das.
In härteren Bedingungen bevorzuge zumindest ich (gerade auch beim Aufstieg) ein etwas steiferes Tail mit keinem oder nur wenig Rocker, weil ich ein solches als mehr Unterstützung empfinde.
Im Ergebnis ist die Skiwahl meines Erachtens immer ein Kompromiss zwischen verschiedenen Faktoren, eine Frage des Einsatzbereiches und - vor allem - der persönlichen Vorliebe.
LG R

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Re: Welche Tourenski (-> Rocker?) für Extremecarver und Ex-Trickskifahrer

Beitrag von Eberh@rd » 08.02.2022 15:44

Vielen Dank Dir für die hilfreichen Infos!

Eberh@rd
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Re: Welche Tourenski (-> Rocker?) für Extremecarver und Ex-Trickskifahrer

Beitrag von Eberh@rd » 25.02.2022 21:29

Nach längerer Recherche bin ich jetzt soweit, dass ich mich wohl für den Völkl Rise Above 88 entscheide.

Das ist der blaue, der zweimal unten im Bild ist. Der Atomic ist mein aktueller Slalomcarver.

Bin nur noch unentschlossen, ob ich den Völkl in 156 oder 163 nehmen soll...

Vielleicht wäre der kürzere zu empfehlen, da ich seit einer Knieverletzung Probleme mit dem rechten Knie habe.

In dem Bild die Zahl hinter dem T ist die Taillenbreite, dann darunter Länge, Kurvenradius und Schaufelbreite.

Tourenski Vergleich-25%.jpg

Bei der Bindung denke ich an die Fritschi Tecton.

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Re: Welche Tourenski (-> Rocker?) für Extremecarver und Ex-Trickskifahrer

Beitrag von schnederpelz » 10.03.2022 12:52

Hi,ich fange mal hinten an.

Fritschi Tecton ist m.E. eine gute Wahl, hier die Gründe, warum wir uns die auf die Tourenski haben schrauben lassen:

1. einstellbare horizontale und vertikale Auslösung
meine Knochen sind mit Mite 50 nicht mehr die stabilsten, und meine Herzensdame hat nur noch 1 Kreuzband, wir wollten kein zusätzliches Risiko in Kauf nehmen mit Pin-Bindungen die nur vielleicht oder unkontrolliert auslösen, oder nicht in alle Richtungen. Das könnte auch für dein Knie ein Aspekt sein

2. alpines Fersenteil
im Ggs. zu einem Pin-Fersenteil wird der Schuh breit auf dem Ski gehalten, dadurch sollte die Kraftübertragung besser sein. Der Test steht noch aus, bis jetzt waren die Tourenski nur im Mittelgebirge, mit etwas Glück sehen sie Ende des Monats die Alpen.
Da du an anderer Stelle schreibst "Ein Schwerpunkt ist für mich auf jeden Fall volle Abfahrtstauglichkeit" wäre das auf jeden Fall ein Punkt.

Alternativen zur Tecton wären Salomon Shift (200g schwerer) oder Marker Duke (noch viel schwerer).

Zu den Ski:
ich habe ein Paar Salomon QST 106 in 181cm (bei 173cm / 84kg), allerdings MJ 2019, die waren wohl etwas leichter als die aktuellen.

Ziel war ebenfalls die volle Abfahrtstauglichkeit, und auch wenn wirklich mal viel Schnee liegt will ich nichts verschenken, wenn ich mich schon aus eigener Kraft den Berg hochgeschafft habe.

Einen Ski in 88 x +/- 160cm fände ich für Touren grenzwertig, seit ich hier mitlese habe ich auf Anregung von Martin auch mal längere und breitere Ski probiert, und mein Pistenski ist mittlerweile ein Line Sick Day 88 in 172cm.
Der ist neben der Piste ok, und säuft dank Rocker nicht sofort ab, aber wenn mehr Schnee liegt reicht der nicht.
Geht schon irgendwie, aber "volle Abfahrtstauglichkeit" stelle ich mir anders vor.

Meine bessere Hälfte fährt auf der Piste mittlerweile einen K2 Mindbender 85 Alliance in 163cm (bei 168cm / 60kg), und den gibt sie nicht mehr her. Ihr Tourenski ist ein Salomon QST Lux 92 in 169cm, und das findet sie weder zu breit noch zu lang.
Sie ist die routiniertere von uns beiden, und kommt mit allen Ski überall runter. Nachdem sie auch den Versuch mit breiteren Ski mit Rocker gemacht hat stand für sie fest, dass es off-piste einen wesentlichen Sicherheitsgewinn bringt, wenn der Ski gescheit aufschwimmt. Dann besteht einerseits weniger Gefahr, dass er sich festfährt, was Kontrollverlust und Sturzgefahr mindert, und andererseits spart es Kraft, weil sie nicht mehr in extremer Rücklage fahren muss, mit Kraftverlust kommt aber irgendwann Konzentrationsverlust.

Um den Preis von etwas mehr Gewicht wollten wir Ski, die uns abseits der Piste das Leben leichter machen.

Wir haben sie uns etwas auf gut Glück, natürlich mit gründlicher Recherche vorab, im vergangenen Lockdown Winter gekauft, und dadurch wenigstens einige Tage im Mittelgebirge fahren können, als hier alle Lifte standen.

Auch wenn ich das selber nie tue :lol: - ggf. leihst du erstmal Tourenski, um einen Eindruck zu bekommen wie sich die verschiedenen Größen so verhalten?

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